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Personalmangel : Lange Wartelisten bei Schwimmkursen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Viele Kinder können nicht schwimmen – Vereine leisten ehrenamtliche Betreuung / Qualifizierte Lehrer fehlen trotz gesicherter Finanzierung

Neumünster | 25 Meter schwimmen, einen Ring aus dem schultertiefen Wasser holen, die wichtigsten Baderegeln kennen – das sind die Voraussetzungen für das Seepferdchen-Abzeichen. Doch viele Kinder beherrschen noch nicht einmal das, obwohl es Schwimmunterricht in den Schulen und viele Kurse im Bad am Stadtwald und bei Vereinen gibt. „Wir haben lange Wartelisten bei den Anfängerkursen, wir sind sehr gut besucht, die Seepferdchen-Kurse sind bis Ende des Jahres ausgebucht“, sagt Sport- und Fitnesskauffrau Lefke Kagelmacher, die im Bad am Stadtwald für die Kursverwaltung zuständig ist. 700 Kinder vom Miniclub ab drei Monate bis zum Silberabzeichen-Schwimmer nahmen 2016 an SWN-Kursen teil, im laufenden Jahr sind es bereits 620.

„Je früher die Kinder das lernen, desto besser. Das ist vor allem wichtig, damit Eltern beruhigt sein können“, sagt Lefke Kagelmacher. Das sagt auch Uli Marten (42) aus Kiel. Er genoss gestern einen Ferientag mit seiner Frau Elvira (42) und den Kindern Lotta (4) und Lennart (1) im Bad am Stadtwald. „Auch in Kiel gibt es lange Wartelisten, Lotta hat jetzt endlich einen Platz bekommen“, erzählen sie. „Sie soll schwimmen lernen, damit wir sicher sein können, dass sie keine Angst vor dem Wasser hat und damit sie auch im Urlaub bedenkenlos ins flache Wasser gehen kann“, sagt der Physiotherapeut.

„Es ist sinnvoll, dass Kinder schon vor der Schule schwimmen lernen. Außerdem ist das bei vielen Jugendfreizeiten Voraussetzung“, sagt Schwimmmeisterin Birgit Grönke vom Bad. Wichtig ist den Experten, dass Kinder das Schwimmen nicht im Hauruck-Verfahren lernen. „Die Kinder bleiben so lange, bis sie so weit sind“, sagt Bernd Czysch. Der 69-Jährige war lange Jahre technischer Leiter beim DLRG-Ortsverein, betreut jetzt den Schwimmunterricht – vier Kurse für Kinder ab fünf Jahren. „In diesem Alter haben sie weniger Furcht vorm Wasser und lernen schnell und instinktiv.“ Der Andrang ist groß: „Der September ist ausgebucht, im Februar haben wir nur noch zehn Plätze frei, so geht das schon seit Jahren, und wir machen keine Werbung.“ Beim schulischen Schwimmunterricht hat er beobachtet, dass die Kinder in zwei Schulstunden nur etwa 40 Minuten im Wasser sind – „und dann geht es im Schweinsgalopp zum Bus. Das ist zu knapp.“ Noch mehr Kurse anbieten könne der Verein nicht - denn alles wird ehrenamtlich geleistet.

Genauso geht es anderen Vereinen: „Wir kommen gar nicht gegenan, wir haben Wartelisten bis Februar 2018“, stellt Frank Schüller, Spartenleiter Schwimmen bei SV Tungendorf, fest. Je nach Entwicklungsstand können Kinder in vier Anfängerkursen schwimmen lernen. „Wir wollen die Kinder nicht stressen, sie können bis zu einem Jahr bleiben und lernen auch mehr als die Seepferdchen-Regeln.“ Außerdem gibt es auch einen Nichtschwimmer-Kursus für Erwachsene und einen für Flüchtlinge – „der ist auch immer voll“. Doch für weitere Kurse fehlen qualifizierte Betreuer. Schüller: „Der Verein würde sogar die Ausbildung bezahlen.“

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erstellt am 12.Aug.2017 | 08:55 Uhr

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