Padenstedt : Landwirt verliert 657 Tiere

Seit März 2017 war das Land frei vom Rindervirus BHV 1. Jetzt ist ein Bestand in Padenstedt befallen.
Seit März 2017 war das Land frei vom Rindervirus BHV 1. Jetzt ist ein Bestand in Padenstedt befallen.

Das Rindervirus BHV 1 ist in den Kreisen Rendsburg-Eckernförde und Stormarn ausgebrochen. Insgesamt sind 1800 Rinder betroffen.

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02. Februar 2018, 19:35 Uhr

Padenstedt | Das ist ein herber Schlag für die Landwirtschaft: 657 Rinder müssen auf einem Milchviehbetrieb mit angeschlossener Mast in Padenstedt getötet werden. Die Tiere haben die Rinderseuche. Die Seuche ist außerdem in einem weiteren Betrieb im Kreis Rendsburg-Eckernförde sowie in zwei Betrieben im Kreis Stormarn ausgebrochen. Insgesamt sind etwa 1800 Tiere betroffen. Teile der Bestände müssen geschlachtet werden.

Das Bovine Herpesvirus Typ 1 (BHV 1) ist ein allein auf Rinder angepasstes Virus. Wie Stefan Bork, Amtstierarzt in der Veterinär- und Lebensmittelaufsicht des Kreises Rendsburg Eckernförde, gestern erklärte, handelt es sich um eine „stille Durchseuchung“, das heißt, die Erkrankung ist nicht äußerlich sichtbar. Lungenerkrankungen, Fieber, verringerte Milchleistung und Aborte sind die Symptome. Die Seuche ist nicht tödlich.

Der betroffene Landwirt hatte den Tierarzt bestellt, weil einige Tiere husteten. Das BHV1-Virus wurde in einem erkrankten Tier nachgewiesen. In nahezu allen anderen Tieren wurden zudem Antikörper gegen das Virus
festgestellt. Wie das Landwirtschaftsministerium mitteilt, handelt es sich um sogenannte Reagenten; diese Tiere tragen das Virus in sich, ohne selbst erkrankt zu sein. Der Betrieb wurde gesperrt.

„Mit BHV 1-infizierte Tiere
müssen getötet werden, so sieht es die BHV 1-Bundesverordnung vor“, erklärt Nicola Kabel, Pressesprecherin im Landwirtschaftsministerium. Die 657 Rinder stehen in verschiedenen Ställen in Padenstedt und auch in Ehndorf. Mit der Schlachtung wurde begonnen.

Menschen können sich nicht anstecken, aber das Virus übertragen. „Deswegen ist die Biosicherheit wichtig“, sagt Stefan Bork. Das bedeutet zum Beispiel, dass die betroffenen Ställe nur in Einwegkleidung betreten werden dürfen. Zur Lage im Kreis Rendsburg-Eckernförde sagt der Veterinär: „Wir beobachten das intensiv und sind hellhörig.“

Der betroffene Landwirt mochte sich nicht zu der Situation auf seinem Hof äußern. Da der Bestand auf amtliche Anordnung geschlachtet werden muss, wird für jedes Tier einzeln der sogenannte „gemeine Wert“ ermittelt. Von dieser Summe wird der Erlös vom Schlachthof abgezogen. Tiere, die das Virus in sich tragen, aber nicht erkrankt sind, können nämlich laut Landwirtschaftsministerium bedenkenlos verzehrt werden. Klinisch erkrankte Tiere dagegen werden getötet und dürfen nicht als Lebensmittel in den Handel gelangen.

„Die Situation ist für die Landwirte bedrückend, weil sie zum großen Teil ihre Bestände verlieren. Die Lage im Land ist aber stabil. Wir sind seit März 2017 offiziell BHV 1-frei, inzwischen gilt das für ganz Deutschland. Dieser Status ist auch nicht gefährdet, selbst wenn es noch zu vereinzelten Ausbrüchen kommt“, sagte Landwirtschaftsminister Robert Habeck gestern.

Trotz der Leistungen aus dem Tierseuchenfonds bleibt ein enormer wirtschaftlicher Schaden für die betroffenen Betriebe. Und nicht nur das: „Das wirft den Betrieb in der Zucht um Jahre zurück. Man fängt wieder von Null an“, erklärt Isa-Maria Kuhn, Pressesprecherin der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein. Und sie weiß auch, dass die psychische Belastung groß ist. Schließlich haben die Familien eine Beziehung zu den Tieren aufgebaut. Dann seien die leeren Ställe und die plötzliche Stille schwer zu ertragen.

Tierseuche BHV1

Das Bovine Herpesvirus Typ 1 (BHV1)   gibt es  weltweit. Es verbreitet sich durch direkten Kontakt zwischen Tieren, kann aber durch Personen- oder Fahrzeugkontakte übertragen werden. BHV1 wird seit 1997 in Deutschland staatlich bekämpft. Es ist eine anzeigepflichtige Tierseuche. Strenge Biosicherheitsmaßnahmen sind notwendig.  Die  Tiere sollen   nicht in Kontakt mit Tieren aus anderen Beständen kommen. Neu gekaufte Tiere sollten zunächst separat gehalten werden. Wer den  Bestand betritt, sollte betriebseigene Schutzkleidung tragen.

 
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