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Holsteinischer Courier

22. Oktober 2017 | 05:48 Uhr

Wittorf : Lärmschutzwand wird zum Kunstwerk

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Werk „Kreuzstich Neumünster“ des Künstlers Hansjörg Schneider wird an der Altonaer Straße installiert

von
erstellt am 08.Aug.2017 | 17:00 Uhr

Neumünster | Die Unterkonstruktion steht, und auch die ersten von 27 Platten sind schon montiert. Das Werk „Kreuzstich Neumünster“ des Berliner Künstlers Hansjörg Schneider an der Lärmschutzwand zur Altonaer Straße/Höhe Oderstraße nimmt Formen an.

Heute soll es fertig installiert sein – und je nach Entfernung des Betrachters eine ganz unterschiedliche Wahrnehmung eröffnen. Ganz dicht nimmt man die immerhin 25 Meter breite und 4,40 Meter hohe Fläche eher als Pixelstruktur wahr. Bei etwas mehr Abstand wird die textile Aussage eines Kreuzstichmusters deutlich. Erst von Weiten werden für Autofahrer, Radler oder Fußgänger, die vom Designer-Outlet-Center aus der Oderstraße kommen, der Schriftzug Neumünster und der Richtungspfeil in die Innenstadt sichtbar.

„Ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden“, sagte Schneider, der zwar in Berlin lebt und arbeitet, aber aus dem Norden, genauer Eckernförde, kommt und dem daher die Vergangenheit Neumünsters als Textilstadt nicht ganz fremd ist. Schneider war mit drei weiteren Künstlern vom Kulturbüro um einen Entwurf gebeten worden, der dann das Rennen machte. Der Stadtteilbeirat um Stadtteilvorsteherin Sabine Krebs entschied sich sehr einmütig für „Kreuzstich Neumünster“.

„Ich bin froh, dass das jetzt zum Abschluss kommt“, sagte Sabine Krebs. Kaum etwas habe den Stadtteilbeirat so lange beschäftigt wie diese Lärmschutzwand. Es gab schon einen Ratsbeschluss für eine begrünte Wand. „Die ist gekippt“, sagte Bau-Fachdienstleiter Ralf-Joseph Schnittker. Die schließlich gefundene Lösung lautet: Die Anlieger am Ochsenweg schenken der Stadt die Grundstücksflächen für die Lärmschutzwand. Im Gegenzug pflegt und unterhält die Stadt die Wand auf Dauer.

Jetzt kommt die künstlerische Gestaltung. Auch sie war nicht unumstritten. Doch dass Kunst die Autofahrer unfallträchtig ablenken könne, hält nicht nur Ralf-Joseph Schnittker für absurd. Die Motive sind direkt auf die Platten aus beschichtetem Alu und Kunststoff aufgedruckt und speziell gegen UV-Strahlung gehärtet, um ein Ausbleichen möglichst zu verhindern. Der Fuß der Lärmschutzwand soll noch begrünt werden. Als Ausgleichsmaßnahme für den Eingriff in die Natur will die Stadt noch sieben Straßenbäume neu anpflanzen, berichtete Michael Muszeika vom Fachdienst Grünflächen. Der Kreuzungsbereich bleibt frei, um die Sicht auf das Kunstwerk nicht zu verdecken. Immerhin lässt die Stadt sich die Kunst am Bau etwa 20  000 Euro kosten. Sabine Krebs hofft, dass „der Ehrenkodex unter Sprayern auch in Wittorf greift und der Tatortreiniger nicht zu oft kommen muss“. Soll heißen, dass das Kunstwerk von Graffiti verschont bleibt.

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