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Auf der Stör und Bramau : Lachsfang mit 220 Volt

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Elektrofischen und die eigene Aufzucht: Vorreiter ist Hartwig Hahn aus Aukrug.

Aukrug | Langsam treibt das Aluboot den Fluss entlang. Im Bug steht Hartwig Hahn aus Aukrug mit einem langen Kescher in der Hand. Mit ihm an Bord Christian Tamcke mit einem zweiten Kescher und Lars Behrmann am Motor. Dann geht alles ganz schnell. Ein Fisch landet in dem Fangnetz und wird sofort in einen großen Wasserbehälter an Bord gesetzt. Bei dem großen Tier handelt es sich um eine Meerforelle. Eigentlich haben diese Fische gerade Schonzeit. Aber die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft (Arge) Stör-Bramau wollen die Fische auch nicht essen. Es geht vielmehr um Artenschutz.

Am Wochenende war der Fischmeister aus Aukrug mit Mitgliedern der Arge unterwegs, um laichreife Milchner (männliche) und Rogner (weibliche) zu fangen. Auf Lachs und Meerforellen hat es die Arbeitsgemeinschaft, die bereits 1983 gegründet wurde, abgesehen. Nicht mit Angel oder Reuse, sondern mit Elektrizität. Beim so genannten Elektrofischen mit bis zu 360 Volt wird ein Gleichstromfeld erzeugt, das die Fische kurzzeitig betäubt. Mit großen Keschern werden sie dann schonend eingesammelt und in Wasserbehältern verwahrt. Schaden nehmen die Fische dabei nicht. Im Gegenteil: Sie helfen, langfristig für einen gesicherten Bestand zu sorgen.

Die Meerforelle und der Lachs galten in vielen schleswig-holsteinischen Flüssen lange Zeit als äußerst selten. In der Stör galten die Salmoniden, so die Bezeichnung für lachsartige Fische, bis Ende der 1970er-Jahre sogar als ausgestorben. Inzwischen hat sich der Bestand deutlich erholt. Das ist zu einem Großteil den Anglern zu verdanken, die mit verschiedenen Maßnahmen zur Bestandssicherung beitragen. Immer wieder werden Jungfische besetzt – aus eigener Aufzucht. Vor allem das Elektrofischen und die eigene Aufzucht haben deutlich zur Erholung des Bestands beigetragen. Vorreiter ist Hartwig Hahn, in Anglerkreisen auch Lachsvater genannt, der in Aukrug-Homfeld seinen Fischbetrieb führt. Dort, im Bruthaus des Landessportfischerverbands Schleswig-Holstein, findet auch die Aufzucht statt. Refinanziert wird das Programm aus Mitteln der Fischereiabgabe.

Am Sonnabend war die Tide-Stör von der Bramaumündung bis Breitenberg das Einsatzgebiet der ehrenamtlichen Arge-Mitglieder; ein Lachs und zwei große Meerforellen gingen den Fängern in die Kescher. Sonntag stand der Oberlauf von der Schwaalemündung in Richtung Sarlhusen auf dem Einsatzplan. Das Ergebnis war deutlich besser; zahlreiche große Lachse und Meerforellen landeten in den Wasserbehältern. Auch an den folgenden Wochenenden sind die Elektrofischer um Hartwig Hahn weiter auf Laichfischfang. Die Elterntiere werden dann am Bruthaus in großen Bassins gehalten und, sobald sie laichreif sind, abgestreift. Wenn sie sich erholt haben, geht es zurück in die Stör.

Die Eier und die Milch, also der Samen der Männchen, werden vermengt. Da ein Milchner viele Eier befruchten kann, sind die weiblichen Tiere begehrter. In hohen Regalen wächst der Nachwuchs heran, unter ständiger Beobachtung von Hahn und seinen Mitstreitern. Im Frühjahr werden die kleinen Salmoniden in den Fluss zurückgesetzt, damit sie irgendwann selbst für Nachwuchs sorgen können.



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erstellt am 19.Okt.2015 | 08:00 Uhr

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