Poetry-Slam in Neumünster : Lachen bis zur Schnappatmung

Strahlende Finalisten: Monika Mertens, Hinnerk Köhn und Lennart Hamann brachten das Publikum mit ihren Texten zum Lachen.
Strahlende Finalisten: Monika Mertens, Hinnerk Köhn und Lennart Hamann brachten das Publikum mit ihren Texten zum Lachen.

„Statt-Gespräch“: Neun Poetry-Slammer wetteiferten mit spitzem Humor um die Gunst des Publikums

shz.de von
30. Januar 2018, 08:20 Uhr

Neumünster | Ohne sie wäre Neumünster um ein kulturelles Standbein ärmer: Poetry Slams bereichern die Stadt seit einigen Jahren regelmäßig mit frischen literarischen Texten auf konstant hohem Niveau. Zuletzt bewies das ausverkaufte „Statt-Gespräch“ im Statt-Theater wieder einmal, wie gerne sich die Zuschauer von selbstverfassten Texten unterhalten lassen.

Das Besondere an der modernen Form des Dichterwettstreits ist, dass die Autoren Menschen sind wie „Du und ich“, Leute, die ihr Geld nicht mit der Schriftstellerei verdienen und dennoch Lust auf Literatur haben. „Poetry Slams sind keine Glamour-Shows mit Leuten, die sich professionell präsentieren. Die Dichter sind quasi nackt auf der Bühne und trauen sich, ihre Texte zu bringen – das macht die Atmosphäre so ehrlich und familiär“, meinte Zuhörerin Wiebke Freese aus Neumünster.

Sie und ihr Mann Dennis waren zwei der 180 Gäste, die sich für die neun Poeten im Haus am Haart die Hände wund klatschten. Frenetischer Jubel samt Pfeifen, Trampeln und Johlen begrüßte die Autoren, die innerhalb von sechs Minuten ihre selbstverfassten Texte ohne Requisiten vortrugen. Ob Stefan Schwarck die Rachefantasien eines Busfahrers auslebte, Monika Mertens tabulos ihren zum Schreien komischen Text über Sexualpraktiken vortrug oder der Neumünsteraner Sönke Staben souverän seinen ersten Poetry-Slam-Auftritt mit Gesellschaftskritik absolvierte – die Stimmung war zweieinhalb Stunden lang glänzend, die Besucher hielten sich die Bäuche vor Lachen – hemmungsloses Losprusten und Schnappatmung inklusive. Dazu trugen die neun großartigen Autoren bei, aber auch das Moderatoren-Duo Björn Högsdal und Michel Kühn vom Veranstalter „Assemble Art“.

Sie schworen das Publikum gekonnt auf tosenden Applaus ein. „Applaus ist das Brot der Dichter, sie schneiden es in kleine Brocken und zehren Wochen davon“, meinte der alte Slam-„Hase“ Björn Högsdal.

Letztlich hatten es sowohl Publikum als auch die Moderatoren schwer, zwischen den drei Finalisten Lennart Hamann, Monika Mertens und Hinnerk Köhn den Publikums-Liebling herauszufiltern.

Sieger wurde schließlich der gebürtige Eckernförder Hinnerk Köhn (24), der urkomisch eine von pubertärem Testosteron geschwängerte Lan-Party beschrieb. „Mir ist Authentizität wichtig, ich will mich nicht verstellen müssen. In meinen Texten ist auch viel Autobiografisches“, erklärte der Hamburger, der eine Ausbildung zum Veranstaltungskaufmann macht. Und außerdem: „Bühnenadrenalin ist supergeil. Ich habe eine Möglichkeit gefunden, meine Texte Leuten zu präsentieren, denen sie gefallen.“

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen