Starkregen in Neumünster : Kurioses Wetterphänomen

Im Looper Weg gab es Unterbodenwäsche für die Autos: Der Starkregen hatte Straßen und Grundstücke geflutet.
Im Looper Weg gab es Unterbodenwäsche für die Autos: Der Starkregen hatte Straßen und Grundstücke geflutet.

Nur in Einfeld und Teilen Tungendorfs fielen in einer Stunde 40 bis 50 Liter Regen pro Quadratmeter, andere Stadtteile blieben fast trocken. Der Meteorologe Renkosik klärt auf.

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27. Juli 2018, 08:00 Uhr

Neumünster | „Es war komisch, durch das Wasser zu fahren, da man nicht genau wusste, wie tief es ist und ob man da ohne Schäden am Auto wieder rauskommt.“ Eigentlich wollte der Einfelder Oliver Krüger am späten Mittwochnachmittag gegen 16.40 Uhr nur nach Hause fahren. Während es in weiten Teilen Neumünsters nur kurz geregnet hatte, geriet er plötzlich in eine Starkregen-Front, die in Einfeld und Teilen Tungendorfs für Land unter sorgte.

„Im Seekamp lag einiges an Geäst, an der Uferstraße in Höhe des Betreuten Wohnens liefen die Gullys über und als ich dann in die Uferstraße in Richtung Looper Weg einbog, fuhr ich in eine komplett überschwemmte Straße“, schilderte der Einfelder. Das Wasser stand auf den Grundstücken in Richtung Loop. Auf einem Grundstück am Schönbeker Weg sind die Terrassenplatten hochgekommen „Sogar in unsere Praxis ist das Wasser bis zum Tresen und durch die Briefkästen gelaufen“, erzählte Brigitte Behrens-Busse von der Zahnarzt-Praxis Busse. Zwei Stunden habe es gebraucht, bis alles wieder sauber war.

Auch auf der anderen Seite des Sees musste Wasser geschippt werden: „Bei uns ist der Vorraum mit Wasser vollgelaufen, aber das Reetdach hat Gott sei Dank gehalten“, berichtete Stefanie Nasir vom Restaurant „Schanze am See“. Für den neu aufgeschütteten Parkplatz sei der plötzliche Regen aber sogar gut gewesen, damit dieser sich festigt, so die Restaurant-Chefin.

Insgesamt mussten die Berufsfeuerwehr und die Freiwillige Wehr Einfeld zwischen 16.30 Uhr und 19 Uhr zu acht Einsätzen ausrücken. „In den meisten Fällen waren Keller vollgelaufen“, sagt Fabian Schmidt von der Berufsfeuerwehr. Auch im Rosmarinweg und in der Preetzer Landstraße in Tungendorf waren die Retter gefragt.

In Einfeld fielen nach der Radarauswertung des Wetterexperten und gebürtigen Neumünsteraners Niko Renkosik 40 bis 50 Liter pro Quadratmeter, in Teilen Tungendorfs waren es 30 bis 40 Liter. „Der Starkregen fiel fast ausschließlich innerhalb einer Stunde“, so Renkosik.

Aber wie kommt es, dass der Norden Neumünsters so stark betroffen war und die restlichen Stadtteile nicht? Renkosiks Wetterstation in Gadeland maß gerade einmal einen Liter Regen pro Quadratmeter. „An der Stelle sind die Windströmungen aus Nord-Westen und aus Osten aufeinandergestoßen, die Luft steigt dann nach oben und es entlädt sich Gewitter“, erklärte der Meteorologe. Dass das Gewitter so lange an einer Stelle blieb, habe daran gelegen, dass es in rund 3000 Metern Höhe kaum Wind gab. Eine Wetterscheide, also eine Grenze, die Gebiete mit unterschiedlichem Wetter trennt, gebe es in diesem Bereich nicht. „Große Berge wie im Harz oder Gewässer wie Nord- und Ostsee sind Wetterscheiden, der Einfelder See reicht nicht aus, um einen Einfluss auszuüben“, sagte Renkosik.

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