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Demonstration : Kurdischer Aufmarsch wurde gestoppt

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Türkische Gegner attackierten Demonstranten / Die Polizei ging dazwischen und setzte Reizgas ein / Eine Polizistin wurde leicht verletzt

Neumünster | Ein Demonstrationszug des Vereins „Demokratische Kurdische Gemeinde Zentrum Neumünster“ wurde am Sonnabend von einer Gruppe Türken gestört und sogar angegriffen. Die Polizei ging dazwischen und setzte Reizgas ein. Zu einer Eskalation kam es aber nicht.

Der Verein demonstrierte „gegen das Agieren des türkischen Staates gegenüber der kurdischen Bevölkerung“. Am Sonnabendnachmittag trafen etwa 150 Teilnehmer auf dem Jugendspielplatz ein. Gegen 15 Uhr startete der Demonstrationszug in Richtung Viktoriastraße. Von hier sollte es auf der Rendsburger Straße bis zum Großflecken gehen, wo um 16 Uhr eine Abschlusskundgebung stattfinden sollte. Doch dazu kam es nicht.

Bereits auf der Rendsburger Straße wurde der friedliche Demonstrationszug von vielen Türken lautstark gestört. Die Polizei griff sofort ein und drängte sie zurück. Die Veranstalter riefen die Demonstranten, unter ihnen viele Frauen und Kinder, zur Ruhe auf und machten ihrem Unmut über das Verhalten der Türken Luft, indem sie sie lautstark als Faschisten beschimpften. „Erdogan lässt kurdische Wohngebiete säubern. Unschuldige Zivilisten werden mit Hilfe deutscher Waffen getötet“, hieß es aus den Lautsprechern. „Wir kämpfen für unsere Rechte. Die Faschisten sollen sehen, dass wir keine Angst haben. Weder in Neumünster noch in Kurdistan noch in der Welt“, ermutigte ein Vereinsmitglied die Kurden zum Bleiben, als der Demonstrationszug an der Ecke Kuhberg / Kieler Straße ein zweites Mal zum Stehen kam.

Die Polizei, unterstützt durch Beamte aus Eutin, hatte den Zug gestoppt, weil sich am Gänsemarkt rund 80 Türken versammelt hatten. Es flogen Plastik-Wasserflaschen gegen die Polizei, wobei eine Beamtin leicht verletzt wurde. Die Polizei setzte Pfefferspray ein.

In der Gruppe der wartenden Demonstranten vor der Sparkasse ergriff ein Kurde das Mikrofon und erläuterte den Passanten den Grund der Demo: „Seit den Wahlen im Juni sind Kurden der Willkür der türkischen Regierung ausgeliefert. Menschen werden auf offener Straße erschossen.“ Was momentan in der Türkei stattfinde, sei Krieg gegen sein Volk, sagte der junge Mann. „Demokratie hat viele Gesichter“, meinte eine Passantin. Man müsse lerne, die Meinung anderer auszuhalten, wenn sie friedlich geäußert werde. „Frieden muss geübt werden. Jeden Tag“, sagte die Frau.

In Absprache mit dem Versammlungsleiter und dem Vertreter der Stadt wurde der Zug von der Polizei zurückgeführt. Gegen 16.15 Uhr erreichten die Menschen das Vereinsheim der Kurden an der Viktoriastraße. Die Polizei nahm zwei Anzeigen wegen Körperverletzung auf, weil jeweils ein Türke einen Kurden angriff. Eine Anzeige gab es, weil in dem Aufzug eine verbotene Flagge gezeigt wurde. Sie wurde auf Weisung eingerollt.

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erstellt am 01.Feb.2016 | 08:00 Uhr

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