Nordfriedhof : Kupferdiebe auf Friedhof in Neumünster

Uwe Kröger vom Förderverein zeigt auf die Kuppel des Mausoleums Moll. Von der Wandabdeckung rissen Diebe eine 1,50  Meter große Kupferplatte ab.
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Uwe Kröger vom Förderverein zeigt auf die Kuppel des Mausoleums Moll. Von der Wandabdeckung rissen Diebe eine 1,50 Meter große Kupferplatte ab.

Das Metall ist teuer und begehrt, auch bei Kriminellen. „Die Diebe haben vor nichts mehr Respekt.“

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30. Juli 2014, 06:45 Uhr

Neumünster | Das Mausoleum Moll auf dem Nordfriedhof ist jetzt zum zweiten Mal innerhalb eines Monats von Metalldieben heimgesucht worden. Sie hatten es wie schon Ende Juni auf die Kupferplatten an der Wandabdeckung der Kuppel abgesehen und rissen eine etwa 150 mal 60 Zentimeter große Platte ab.

Uwe Kröger, der Vorsitzende des Fördervereins zum Erhalt der Grabdenkmale, ist erschüttert. „Wer so etwas macht, hat vor nichts mehr Respekt“, sagte der frühere Kirchenkreisbaupfleger. Für die Kupferplatte gibt es maximal 30 Euro auf dem Schrott. Kröger: „Eine Wiederherstellung kostet uns mindestens 1000 Euro.“ Das kann sich der Förderverein nicht leisten. Deshalb kommt als Notsicherung erstmal Dachpappe auf das unter Denkmalschutz stehende Grabmal.

Die Schändung am Mausoleum überschattete die Arbeiten des Fördervereins an einem weiteren bedeutenden Projekt. Nur wenige hundert Meter weiter am Grabmal der Fabrikantenfamilie Renck geht die Restaurierung in die heiße Phase. Diplom-Restaurator Roland Hooss hat hier begonnen, den alten Anstrich zu entfernen.

„Der Sandstein hat drei Farbschichten, die fest miteinander verbacken sind und runter müssen, weil sie den Stein nicht atmen lassen“, sagte Hooss. Der Experte aus Stockelsdorf hat gut ein Dutzend Möglichkeiten ausprobiert, bevor er das passende Abbeizmittel fand. Gleichwohl ist noch jede Menge Handarbeit mit einem feinen Spachtel gefordert. Über den neuen Schutzanstrich ist er sich noch nicht ganz im Klaren. Denkbar ist eine Lasur, die die Natursteinfarbe aufgreift.

Nicht zu rekonstruieren sind die ursprünglichen Aufbauten des 1894 von Magnus Schlichting geschaffenen Grabmals. Es gibt dazu keine Unterlagen mehr. Einzig Fotos lassen erahnen, wie die Balustraden und Postamente einst gestaltet waren. Deshalb soll das historische Grabmal eine moderne Ergänzung bekommen, die die alten Konturen und Proportionen nachempfindet.

„Wo früher ein Engel hing, ist jetzt eine Kreuzform aus Stahlprofilen geplant“, sagte Architekt Matthias Schmidt vom Hamburger Büro Stölken/Schmidt. Das Kreuz steht auch schon fertig zusammen geschweißt in der Werkstatt. Es muss jetzt noch beschichtet werden. Die anthrazitfarbene Zinkschicht soll sich ganz bewusst vom hellen Sandstein abheben. Die drei Grabplatten aus Granit sind bereits restauriert und vergoldet worden.

Bis zum Abschluss der Arbeiten dauert es noch etwas. Der Sandstein muss gefestigt werden, bevor schadhafte Stellen mit Mörtel ergänzt und der Anstrich aufgetragen werden kann. Uwe Kröger hofft, dass im Oktober die Einweihung gefeiert werden kann. Kröger: „Das war ein langer Angang. Vor zwei Jahren haben wir mit den ersten Planungen und Besprechungen begonnen.“ Die Kosten der Restaurierung von 24.000 Euro waren durch Spenden zusammen gekommen.

Kommentar: Metalldieben ist nichts mehr heilig

Mit einer Unverfrorenheit sondergleichen suchen Metalldiebe Neumünsters Friedhöfe heim. Für ein paar Euro Schrottwert zerstören sie Grab- und  Kulturdenkmale und schänden dabei die Totenruhe. Solchen Kriminellen ist in der Tat nichts mehr heilig. Das ist einfach nur abstoßend.

Nicht nur der materielle, sondern auch der ideelle Schaden ist gewaltig. Manche Grabbeigaben wie die Tafel in kyrillischer Schrift am Mausoleum sind wohl für immer in den dunklen Kanälen von Schrott-Hehlern verschwunden. Und selbst eine kleine Kupferplatte im Metallwert von vielleicht 30 Euro kostet in der Neuanfertigung und erneuten Restaurierung das Zig-fache.

Ganz schlimm ist, wie den Mitgliedern des Fördervereins mitgespielt wird. Sie engagieren sich, damit ein Stück Friedhofs- und Stadtgeschichte vor dem Verfall gerettet wird, und dann machen skrupellose Diebe alles wieder zunichte.

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