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Lokschuppen : Kultur-Verein will das Gelände wiederbeleben

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Vandalen haben in den denkmalgeschützten Gebäuden einen großen Schaden angerichtet / Mietvertrag könnte Ende März unterzeichnet werden

Der Boden ist mit Scherben der Fensterscheiben übersät, Kabel sind aus den Sicherungskästen gezogen, an den Wänden prangen Graffiti. Vandalen haben im Lokschuppen an der Brückenstraße ganze Arbeit geleistet. Auch das ehemalige Leitungs- und das Sozialgebäude sind im Innern großteils zerstört, die gesamte Anlage mit der charakteristischen Zug-Drehscheibe ist verwuchert. „Ich bin erschüttert vom Zustand“, sagt Dr. Holger Busche.

Er ist Vorsitzender des neuen Vereins „Kulturlokschuppen Neumünster“. Die 17 Mitglieder aus ganz Schleswig-Holstein, unter ihnen der Grünen-Landtagsabgeordnete Detlef Matthiessen, wollen das denkmalgeschützte Gebäudeensemble mieten oder kaufen. Der Plan: Dort sollen wieder historische Schienenfahrzeuge der Öffentlichkeit gezeigt werden und kulturelle Veranstaltungen stattfinden. Gestern trafen sich viele Vereinsmitglieder mit einem Vertreter der Immobilien-Entwicklungsfirma Aurelis Real Estate aus Eschborn (Hessen). Sie verwaltet das gut 10 000 Quadratmeter große ehemalige Bahn-Gelände.

Busche war zum ersten Mal vor Ort und sichtlich von den Eindrücken schockiert. „Es ist sehr schade, dass das so verkommt und sich niemand kümmert. Da muss sich etwas tun“, sagte er. Auch auf Seiten von Aurelis hofft man, dass die Verhandlungen fruchten. „Wir sind allerdings noch in einem sehr frühen Stadium der Verhandlungen. Es besteht beiderseitiges Interesse, jetzt gilt es, eine Einigung zu erzielen“, erklärte ein Sprecher des Unternehmens auf Nachfrage. Seinen Angaben zufolge könnte es bereits Ende März zu einem Mietvertrag kommen, wenn sich die Vertragspartner über die Höhe der Mietkosten und die Frage einig sind, wer die Sanierungskosten übernimmt.

Busche hofft, dass diese Ankündigung auch Bestand hat. „Der Fahrplan für eine Übernahme ist abgesteckt. Es geht jetzt darum, so schnell wie möglich aufs Gelände zu kommen, um Gegenstände zu sichern und Fenster und Türen wieder einzusetzen“, sagte er. Weiteres positives Signal: Aus dem Rathaus gab es gestern ein Gesprächsangebot an den Verein.

Der ursprüngliche Lokschuppen entstand um 1900, wurde aber im Zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört und nach 1945 mit einer Drehscheibe und Platz für 22 Lokomotiven wieder aufgebaut. Nach einem langjährigen Rechtsstreit mit der Deutschen Bahn wurden die Fahrzeuge des DB-Museums 2010 abgezogen und deutschlandweit verteilt. Die Rendsburger Eisenbahnfreunde als Betreiber mussten ihr langjähriges Domizil verlassen.Im Mai 2010 hatte der damalige Linksbündnis-Chef Jörn Seib, heute Vorsitzender der Fraktion BfB/Piraten im Rat, einen letzten politischen Versuch unternommen, mit einem runden Tisch den Lokschuppen zu retten, und war gescheitert. Die letzte historische Lokomotive der Rendsburger Eisenbahnfreunde wurde 2011 vom Gelände gezogen.

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erstellt am 12.Feb.2014 | 05:15 Uhr

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