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Förderprogramm : Kultur macht Flüchtlinge stark

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Projekte der Volkshochschule unterstützen junge Flüchtlinge. Heute gibt eine Band ein Abschlusskonzert im Kiek In, und ein Theaterstück wird in der Stadthalle aufgeführt.

shz.de von
erstellt am 11.Okt.2013 | 12:00 Uhr

„Walle, Walle, manche Strecke, dass zum Zwecke Wasser fließe...“: Die guten alten Verse von Goethe aus dem „Zauberlehrling“ klangen gestern in einem Raum im Kiek In ganz anders: Mädchen sangen Goethe als Sprechgesang, die Brüder David (9) und Dominik (11) tanzten Breakdance dazu. Sie wurden in den Herbstferien zu „Pfadfindern der Kultur“ – eines von drei Projekten der Volkshochschule im Rahmen des bundesweiten Förderprogramms „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“. Teilnehmer sind 35 jugendliche Flüchtlinge, die so in ihren Kompetenzen gestärkt werden und ihr eigenes kreatives Potenzial entdecken sollen. Sie kommen aus aller Herren Länder: Jemen, Aserbaidschan, Syrien, Iran oder Russland.

Bereits in den Sommerferien lief das vom Bundesministerium für Wissenschaft und Bildung ausgeschriebene Projekt an, bei dem der Bundesverband der Volkshochschulen den Zuschlag für den „Talentcampus“ erhielt. Es flossen jeweils für die Sommer- und Herbstferien 12 000 Euro, mit denen Dozenten, Raummiete und Material bezahlt werden. Neben den Kultur-Pfadfindern gibt es die weiteren zwei Projekte „Stärken stärken – Berufsorientierung“ und „Sprache hat viele Ausdrucksformen“. Im Sommer wurde bereits Russisch und Englisch gelernt – viele Jugendliche können sich mit ihren nicht deutschsprechenden Eltern schlecht verständigen. In den Herbstferien folgt die Fortsetzung – mit vielen kreativen Facetten. Das Goethe-Theaterprojekt wechselt sich ab mit Rollenspielen über sozial schwierige Situationen – wie einigt man sich in einem Konflikt? Lautstark oder mit Argumenten? Das Besondere: Auch Eltern werden einbezogen; das war einer der Aspekte, die den Ausschlag auf Bundesebene gaben.

Beim Berufsorientierungs-Projekt fand eine Besichtigung bei der Firma Sauer-Danfoss statt – und beeindruckte die Jugendlichen. Ibrahim (18) aus dem Jemen will jetzt ordentlich Deutsch und Mathe pauken, weil er Zerspanungsmechaniker werden will. Eine Woche lang wurde nachmittags an Gegenständen aus Schrott geschweißt, gesägt, geschliffen und gehämmert – mit erstaunlichen Ergebnissen wie einem Kind aus Stahl, einem Stuhl, einem Vogelhäuschen oder einem Tisch. Letzterer zeigt auch das Verarbeiten der Kriegserlebnisse. „Dieser Junge schlief während seiner Flucht aus Angst vor Hundebissen auf Tischen“, erläutert Projektorganisator Thorsten Kehl von der VHS. Mit Musik als Sprache probt im dritten Projekt eine Band. Alle Jugendlichen haben keine Instrumenten-Kenntnisse.

Vor allem gilt eines: Respekt vor den anderen, Disziplin, Zuhören. „So lernen sie, dass man als Team auch etwas erreichen kann. Sie nehmen jeden Strohhalm wahr, um sich zu integrieren“, betont Kehl. „Wir können beobachten, wie viel Selbstbewusstsein im Laufe der Projekte entsteht“, sagt Marianne Harms, stellvertretende VHS-Leiterin.

Die spontan entstandene Band spielt heute Abend um 18 Uhr im Kiek In, Gartenstraße 32, Raum 2.1. Das Goethe-Hamlet-Theaterstück ist am Sonnabend, 19. Oktober, ab 19 Uhr im Theater in der Stadthalle zu sehen als Kooperation mit dem „Frei-Raum“-Projekt des Kulturbüros als neue Plattform für junges Theater.

 

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