Theater : Kultserie bekam viel Beifall

Typisch: Die Familie Tetzlaff wird von Vater Alfred (2. von links) beschimpft: Ehefrau Else (links), Schwiegersohn Michael und Tochter Rita nehmen es mehr oder weniger gelassen.
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Typisch: Die Familie Tetzlaff wird von Vater Alfred (2. von links) beschimpft: Ehefrau Else (links), Schwiegersohn Michael und Tochter Rita nehmen es mehr oder weniger gelassen.

Theatermacher Elmshorn zeigten „Ein Herz und eine Seele“ vor 150 Zuschauern im Theater in der Stadthalle.

shz.de von
27. April 2015, 08:00 Uhr

Neumünster | Vor rund 40 Jahren sahen Millionen die Kultserie „Ein Herz und eine Seele“ im Deutschen Fernsehen mit Ekel Alfred Tetzlaff, seiner Frau Else sowie Tochter Rita und Schwiegersohn Michael. Am Sonnabend bewiesen die Akteure der Theatermacher Elmshorn bei der Episode „Der Sittenstrolch“, dass diese Kultfiguren noch immer ihre Strahlkraft haben.

150 Zuschauer waren ins Theater in der Stadthalle gekommen, um den kleinbürgerlichen Spießer Alfred (Götz Jacobs) bei seinen Tiraden, zuallererst und gewaltig gegen die Sozis (inklusive gegen seinen Schwiegersohn Michael (Oliver Krull), aber auch gegen alles andere wie „lasche Gesetze gegen Verbrecher“, gegen die „von der Regierung eingesetzten Supermärkte“, die die kleinen Lebensmittler kaputtmachten, und schließlich gegen Gott und die Welt zu sehen. Ekel Alfred bastelte sich die Welt und besonders sich selbst so zurecht, wie er es gerne hätte. Seine herrlich naive Ehefrau Else (Sabine Rubehn), die er als „dusselige Kuh“ bezeichnete, lieferte ihm aber auch immer wieder neue entsprechende Reizworte, genau wie Tochter Rita (Johanna Hinz). Als sich Alfred zu Beginn als Hertha-BSC-Fan outete, erheiterte Else den Saal mit ihrem Umwissen über Fußball: „Wenn die nur 90 Minuten arbeiten müssen und nur einmal in der Woche, warum bist du da nicht Fußballer geworden“, fragte sie ihn. Mit dem Stichwort „Hertha“ hatte Alfred aber gleich die Nachbarin Herta, die „rote Suhrbier“ auf dem Korn. Deren Schwester Ruth reizte er so chauvinistisch und frauenverachtend, dass sie fast ihren nackten Busen präsentierte, was Else gerade noch verhindern konnte.

Doch eigentlich ging es im Stück um einen angeblichen Exhibitionisten, der sich im nahen Prinzenpark entblößte. Das fand Else, der das Wort nicht bekannt war, gar nicht schlimm. „Wenn er es öffentlich macht, hat er doch sicher nichts zu verbergen“, meinte sie. Doch dann konzentrierten sich die polizeilichen Ermittlungen (Polizist Wolfgang Behrens) auf Alfred. Wie er sich sprachlich und mimisch aus der Sache herauszuwinden versuchte, war köstlich. Auch wie er immer kleinlauter wurde, seine gewohnten Ekel-Reden fast ganz einstellte, löste bei den Zuschauern heiteres Lachen aus. Doch Ende gut, alles gut. Alfred gab zu, am Toilettenhaus uriniert zu haben, weil er eben musste und das Örtchen wegen Renovierung geschlossen war. Er kam ohne Strafe davon. Die Zuschauer hingegen hatten einen vergnüglichen Abend mit dem seit 40 Jahren bekannten Ekel Alfred samt Familie. Der Beifall war lautstark.

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