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Baustellenärger : Kuhberg: Missmut über Halteverbot

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Menschen mit Handicap müssen weitere Fußwege in Kauf nehmen. Elektro-Tankstelle ist aber anfahrbar

shz.de von
erstellt am 23.Jun.2015 | 13:30 Uhr

Neumünster | Die Sperrung des Kuhbergs aufgrund des Umbaus sorgt bei einigen Geschäftsleuten für Unmut und Verunsicherung. Konkret geht es um Kunden, die schlecht zu Fuß sind und nicht mit dem Taxi direkt vor Ort abgeholt werden konnten. Die Stadt bestätigte auf Courier-Anfrage, dass auf dem Kuhberg – wie ausgeschildert – ein absolutes Halteverbot gilt und Betroffene in den kommenden zwei Wochen ein wenig längere Wege in Kauf nehmen müssen.

Das ist ein Aufreger für die Anlieger. „Wirklich behindertengerecht ist das nicht“, kritisiert Julia von Aswegen, Inhaberin der Schwanen-Apotheke. Für einen ihrer Kunden, ein älterer, gehbehinderter Mann, wollte sie ein Taxi ordern. Sie erhielt die Auskunft, dass er bis zur Kaiserstraße oder bis zum Bahnhof müsse. „Die Stadt hat das auf meine Anfrage bestätigt“, sagt sie. Auch dass die Ampel ausgeschaltet ist, moniert sie: „Ich hatte heute eine sehbehinderte Kundin, die Schwierigkeiten hatten, den Kuhberg zu überqueren, weil das akustische Signal fehlt. Wir haben ihr dann hinüber geholfen.“ Sie kritisiert die Informationspolitik der Stadt, da sie nicht in Kenntnis gesetzt worden sei: „Ich finde das unmöglich.“

Mit Bedauern reagiert Thomas Lange, zuständiger Baustellenkoordinator bei der Stadt: „ Es herrscht absolutes Halteverbot. Bis zum 8. Juli ist das leider so. Die Betroffenen müssen ein paar Meter in Begleitung gehen, der Umbau des Kuhbergs ist zurzeit mit diesen Einschränkungen verbunden.“ Doch die Stadt gebe „richtig Vollgas“, um diese Situation so schnell wie möglich zu beenden. Die Ampeln müssten versetzt und daher ausgeschaltet werden. Diese Lage habe die Stadt aber rechtzeitig über die Presse bekannt gegeben, außerdem sei die Baufirma in der Pflicht, die Anlieger zu informieren.

Eine zweite Frage beantwortet Lange aber positiv: Die E-Tankstelle der Stadtwerke ist vom absoluten Halteverbot nicht betroffen. Besitzer von E-Autos wie Corinna Völzer, die Inhaberin von Uhren-Kamann, können zum Betanken heranfahren. „Das Halteverbot gilt für die Fahrbahn, nicht aber für die Bucht. Man muss nur ein wenig rangieren“, sagt Lange. Corinna Völzer hatte sich Sorgen gemacht, sie riskiere beim Betanken ein Knöllchen. Sie bemängelt allerdings auch, dass man die Schilder beim Hereinfahren von der Kieler Straße schlecht sieht. Außerdem habe sie mit Paketzustellern gesprochen, die entnervt über diverse Knöllchen klagten. „Das war aber nicht auf dem Kuhberg, ein solcher Fall ist uns nicht bekannt“, sagt Stadtsprecher Stephan Beitz. Laut Ordnungsamt habe es nur ein Knöllchen an der Kaiserstraße für einen Post-Anlieferer gegeben. Beitz: „Der stand auf einem Behinderten-Parkplatz an der Kaiserstraße. Da werden wir auch weiterhin knallhart vorgehen, da verstehen wir keinen Spaß.“

In der Praxis nutzen aber Taxi- und Kurierfahrer den Kuhberg als Grauzone: Gestern Vormittag herrschte dort munterer Anlieferverkehr. Ein Taxifahrer, der seinen Namen nicht in der Zeitung sehen möchte, sagte, es gebe aus seiner Sicht keine Probleme: „Wir haben von der Stadt schon relativ viele stillschweigende Genehmigungen.“ Die Beschilderung ist außerdem eindeutig: Be- und Entladen ist zu bestimmten Zeiten gestattet.

 

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