zur Navigation springen

Gedenkkonzert : Kritisches Gedenken an Jens Rohwer

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Nachholtermin für das Gedenkkonzert zum 100. Geburtstag des Komponisten steht fest / Auch kritische Beiträge zur NS-Zeit sind vorgesehen

shz.de von
erstellt am 04.Mär.2015 | 12:00 Uhr

Neumünster | Ursprünglich war es für November geplant, aber Auseinandersetzungen um die NS-Vergangenheit des Komponisten Jens Rohwer führten zu einer Verschiebung des Festakts für den großen Neumünsteraner Musiker (der Courier berichtete). Nun soll das Vortragskonzert aus Anlass des 100. Geburtstags von Jens Rohwer nachgeholt werden – am Sonnabend, 14. März, um 17 Uhr in der Stadtbücherei an der Wasbeker Straße. „Alle Mitwirkenden sind wieder im Boot, es gab klärende Gespräche“, sagt Andreas Dreibrodt, Leiter der Musikbibliothek.

Unter dem Titel „Jens Rohwer – ein Neumünsteraner Komponist“ möchte die Stadt an ihren bedeutendsten Komponisten erinnern, der sowohl mit ambitionierten Werken einer gemäßigten Moderne als auch mit populären Gesängen wie dem Musikanten-Kanon „Fa la la la musica“ oder „Wer nur den lieben, langen Tag“ weit über Norddeutschland hinaus gewirkt hat.

Um dem umfassenden Leben und Wirken des Musikpädagogen und Musiktheoretikers Rohwer gerecht zu werden, ist ein aufwändiges Programm erarbeitet worden. So werden die renommierten „Hamburg Chamber Players“ mit der Sopranistin Lisa Schmalz einen Querschnitt seines kompositorischen Schaffens präsentieren. Auf dem Programm stehen vier Lieder aus „Der Hagestolz“ (1942), die Bratschensonate von 1944, eine vierstimmige Suite für Streichquartett von 1954, Auszüge aus Rohwers „Sonate concertante für Violine und Klavier“ (1961) und den „Zwei Sätzen für Violoncello und Klavier“ (1975). Der Singkreis der Musikschule unter der Leitung von Karlheinz Grube wird mit Liedern wie „Wer nur den lieben, langen Tag“ auch den populären Rohwer zu Gehör bringen.

Leben und Werk des Komponisten stehen im Mittelpunkt der einführenden Beiträge von Dr. Bozena Blechert, Leiterin der Musikabteilung der Landesbibliothek, und des Musikwissenschaftlers Dr. Michael Struck. Beide sind ausgesprochene Rohwer-Kenner und werden auch seinen Werdegang in der Zeit des Nationalsozialismus nicht ausklammern. Rohwers Wirken in der NS-Zeit hatte im Vorfeld für Wirbel gesorgt: Nach einem Leserbrief im Courier, der dies thematisierte, sagte Struck seine Teilnahme ab – es schien ihm so, als ob man ihm nicht zutraue, die NS-Zeit zu erklären.

Rohwer wurde 1914 in Neumünster geboren. Von 1935 bis 1938 studierte er Schulmusik sowie Musikwissenschaft in Berlin und hospitierte bei Paul Hindemith. Nach dem Krieg unterrichtete er an der Landesmusikschule in Lübeck. An der neugegründeten Schleswig-Holsteinischen Musikakademie, der späteren Musikhochschule Lübeck, wurde er Dozent und von 1955 bis 1971 ihr Direktor. Rohwer komponierte Orchester-, Kammer- und Orgelmusik, Oratorien, Kantaten und Chorwerke. Besonders bekannt war der Träger des Schleswig-Holsteinischen Kulturpreises auch für seine Lieder und Kanons.

Die Veranstaltung findet in Kooperation mit „Neumünster singt und spielt“ statt und ist zeitlich so festgelegt, dass die Konzerte des Musikfestivals besucht werden können. Der Eintritt zu dem Rohwer-Konzert ist frei.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen