Holsten-Galerie : Kritische Bürgerinitiative: Stadt hält Gutachtenteile unter Verschluss

Die Grafik zeigt, wie das Einkaufszentrum einmal aussehen soll. Der Rohbau ist schon weit voran geschritten.
Die Grafik zeigt, wie das Einkaufszentrum einmal aussehen soll. Der Rohbau ist schon weit voran geschritten.

BI-Sprecher Christian Busch sieht den Bebauungsplan und die Baugenehmigung für das Einkaufszentrum Holsten-Galerie in Frage gestellt.

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14. Januar 2015, 07:30 Uhr

Neumünster | Christian Busch, der Sprecher der Bürgerinitiative Großflecken (BI), lässt in seiner Kritik am im Bau befindlichen ECE-Einkaufszentrum Holsten-Galerie nicht locker.

Nach einer Klage vor dem Verwaltungsgericht in Schleswig erreichte er einen Vergleich mit der Stadt und jetzt die Möglichkeit, sämtliche Akten zur 2012 von der Stadt veröffentlichten Verträglichkeitsanalyse des Einkaufszentrums einzusehen. Er sieht darin seine Bedenken bestätigt und die „Rechtsgrundlage des Bebauungsplans und der Baugenehmigung für das neue Einkaufszentrum in Frage gestellt“, teilte er gestern in einer Erklärung mit.

„Die Stadt Neumünster hat das Verträglichkeits-Gutachten aufteilen lassen, den unbedenklichen Teil hat sie veröffentlicht, die baurechtlich relevanten Bedenken der Gutachter aber hat sie unter Verschluss behalten“, schreibt Busch in der Mitteilung.

So warnten die Gutachter im unveröffentlichten Teil der Studie: „Für die betroffenen Kommunen ist eine deutliche Verschärfung der Wettbewerbssituation vor allem in den Branchen Bekleidung/Textilien sowie zum Teil auch Sport und Freizeit und Schuhe/Lederwaren zu erwarten, in Anbetracht derer ein Umschlagen in negative städtebauliche und versorgungsstrukturelle Auswirkungen nicht auszuschließen ist“.

Genannt werden in diesem Zusammenhang nicht nur die Unterzentren Bad Bramstedt, Bordesholm, Hohenwestedt, Nortorf und Wahlstedt, sondern auch die umliegenden Mittelzentren Rendsburg, Kaltenkirchen und Bad Segeberg.

„Mit dem Wort ‚Umschlagen‘ beschreiben die Gutachter eine Situation, in der die verbrauchernahe Versorgung der Bevölkerung in Frage gestellt oder die Zentrenstruktur nachhaltig verändert wird. Das gilt nicht nur für die genannten Branchen, sondern aufgrund der insgesamt anzunehmenden Attraktivität für letztlich alle Leistungen bis hin zur medizinischen Versorgung“, schreibt Christian Busch.

„Zusammen mit dem Designer-Outlet-Center gefährdet das Innenstadt-Einkaufszentrum in Neumünster also die Strukturen der benachbarten Zentren und letztlich die wohnortnahe Versorgung von deutlich über 100  000 Menschen“, fasst Busch die Warnungen der Gutachter zusammen.

Der Sprecher der Bürgerinitiative sieht durch das Vorgehen der Verwaltung nicht nur die Rechtsgrundlagen von Bebauungsplan und Baugenehmigung in Frage gestellt, sondern „vielleicht auch eine Chance für die betroffenen Gemeinden“ in Neumünsters Umland. Diese müssten allerdings umgehend aktiv werden, teilte Christian Busch mit.

„Herr Busch liegt falsch. Er hat die Fakten falsch interpretiert“, kommentierte Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras die Kritik von Busch und der Bürgerinitiative Großflecken. Die pauschale Aussage in einer Vorstufe des Gutachtens sei der Stadt zu wenig gewesen. Das abschließende Gutachten betrachte daher jeden der genannten Orte im Umland einzeln, sagte Tauras.

„Dabei sind die selben Zahlen zu Grunde gelegt. Durch diese umfassende Analyse konnte die Befürchtung eines ‚Umschlagens‘ widerlegt werden. Also genau das Gegenteil der Behauptung von Herrn Busch ist richtig“, sagte Tauras.  

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