Abgase : Kritiker riechen Gestank aus der TEV

Der dunklere Rauch aus den beiden Schloten der TEV wird bei Wetterlagen wie gestern nach unten gedrückt. Der helle „Qualm“ links ist Wasserdampf aus der Kühlanlage des Kraftwerks.
Foto:
Der dunklere Rauch aus den beiden Schloten der TEV wird bei Wetterlagen wie gestern nach unten gedrückt. Der helle „Qualm“ links ist Wasserdampf aus der Kühlanlage des Kraftwerks.

Alle Grenzwerte wurden eingehalten, sagen die SWN. Für die Geruchsbelästigung seien private Kaminöfen verantwortlich

von
27. Januar 2015, 06:45 Uhr

Neumünster | Rainer Winkler aus Brachenfeld stinkt es gewaltig. „Der Rauch aus der TEV steigt bestenfalls wenige Meter auf und sinkt dann zu Boden“, sagt Winkler. Bei Wetterlagen wie derzeit würden die Schadstoffe nicht verdünnt. Der Dreck lande dann konzentriert in der Umgebung, auch bei ihm am Brüningsweg.

Als besonders schlimm hat er die Situation am vergangenen Freitag empfunden. „Man konnte nicht vor die Tür gehen und Luft schnappen“, sagt der Asthmatiker Winkler. Er ist als TEV-Kritiker der ersten Stunde und Mitglied der früheren Bürgerinitiative (BI) gegen die Thermische Ersatzbrennstoff-Verwertungsanlage bekannt.

Bei Wetterlagen wie am Freitag sind die oberen Luftschichten wärmer als die am Boden (so genannte Inversionswetterlage). Es gibt praktisch keinen Luftaustausch, Schadstoffe können unter dieser Käseglocke nicht nach oben entweichen. Winkler fordert, dass die Stadtwerke (SWN) bei diesen seltenen Wetterlagen auf den Betrieb der TEV verzichten und stattdessen auf ihre Gasturbinen umschalten.

Die SWN schließen hingegen vollständig aus, dass die Geruchsbelästigungen von der TEV stammen. Die Emissionswerte werden durchgehend gemessen und auf einem Rechner gespeichert, auf den nur behördlich befugte Personen Zugriff haben, erläuterte SWN-Sprecher Nikolaus Schmidt auf Courier-Anfrage. Die Betriebsbedingungen und Emissionswerte könnten so auch nachträglich jederzeit überprüft werden.

Schmidt: „Auch am Freitag, 23. Januar, wurde die TEV durchgehend mit den bekannt sehr niedrigen Emissionswerten betrieben. Alle Verbrennungsbedingungen wurden eingehalten.“ Die Werte lägen 95 Prozent unter den zulässigen Grenzen der Bundesimmissionsschutz-Verordnung (BImSchV) und damit auch unter denen, die mit der Ratsversammlung (10 Prozent des BImSchV-Grenzwerts) und die mit der TEV-kritischen Bürgerinitiative (5 Prozent des BImSchV-Werts) vereinbart seien. „Bei einigen Werten sind wir an der Grenze der Nachweisbarkeit“, sagt Stadtwerke-Sprecher Schmidt.

CDU-Ratsfrau Helga Bühse kann das bestätigen. Sie ist wie die SPD-Ratsfrau Heidemarie Stephan Mitglied im TEV-Beirat, der die Einhaltung der Grenzwerte überwacht. Zum Beirat gehören auch drei kritische BI-Mitglieder: Alt-Oberbürgermeister Dr. Uwe Harder, Rudolf Petereit und der ehemalige Kraftwerksleiter Gerhard Gloe-Carstensen. Helga Bühse hat den Eindruck: „Alles was erforderlich ist, um die strengen Grenzwerte einzuhalten, wird von den Stadtwerken auch gemacht.“ Die TEV liege weit unter den schon strengen Werten der Kieler Müllverbrennungsanlage.

SWN-Sprecher Schmidt hat eine Vermutung zur Ursache der jüngsten Geruchsbelästigung. „Mittlerweile werden an kalten Tagen sehr viele Kamine und Kaminöfen betrieben“, so Schmidt. Oftmals geschehe das unter nicht optimalen Bedingungen, und das könne dann leicht zu Geruchsbelästigungen führen. „Eindeutig nachvollziehbar war diese Problematik auch am Freitagnachmittag, zum Beispiel im Bereich der Gartenstadt“, so Schmidt. Dieser Stadtteil konnte bei Westwind aber gar nicht von Abgasen der TEV betroffen sein.

Gerhard Gloe-Carstensen widerspricht dem SWN-Sprecher: „Ich kenne den Geruch. Der kommt nicht aus Kaminöfen, der kommt aus der TEV.“ Das werde künftig noch schlimmer, denn der TEV fehle das Geld, um Filter nachzurüsten. „Das wurde uns von den Stadtwerken schon in der Beiratssitzung im März 2013 gesagt. Der Betrieb der TEV sei in finanzielle Notlage geraten“, erinnert sich Gloe-Carstensen.

Als Grund sei damals genannt worden, dass die TEV vom Stromnetz entkoppelt worden sei (durch den Verkauf der Netze an die SH Netz AG). Im Gegensatz zu früher kämen die Erlöse nicht mehr nur von den Neumünsteranern, sondern von der Netz AG und dem freien Strommarkt. „Und der ist längst zusammengebrochen“, meint Gloe-Carstensen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen