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Holsteinischer Courier

22. Oktober 2017 | 14:43 Uhr

Bilanz : Krippenplätze werden nicht eingeklagt

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

In Neumünster können 40,2 Prozent der Kinder unter drei Jahren betreut werden.

von
erstellt am 01.Feb.2014 | 05:00 Uhr

Ein halbes Jahr nach Einführung des Rechtsanspruchs auf einen Betreuungsplatz für Kinder unter drei Jahren (U3-Platz) zieht die Stadt eine positive Bilanz. „Es gab in Neumünster bisher keine einzige Klage“, sagt Jörg Asmussen vom Fachdienst Kinder und Jugend – und das, obwohl natürlich nicht alle Eltern den Wunschplatz für ihre Sprösslinge bekommen konnten.

Zurückzuführen ist der Erfolg zum einen auf das große Angebot in der Stadt. So erhielten hier 40,2 Prozent der insgesamt 1888 Kinder der entsprechenden Altersgruppe einen Platz in Krippengruppen oder in der Tagespflege. Damit liegt Neumünster über den vom Gesetzgeber geforderten 39 Prozent. Insgesamt stehen 758 Plätze zur Verfügung, 523 sind als Krippenplätze in den Kindergärten angesiedelt, 235 bei Tagesmüttern und -vätern.

Zum anderen sucht die Stadt mit den Eltern das Gespräch, insbesondere wenn es Probleme bei der Unterbringung der Kinder gibt. „Unsere Prämisse war von Anfang an: Wir reden lieber mit den Eltern, die Bedarf haben, als dass wir uns vor Gericht wiedertreffen“, erläutert Jörg Asmussen. Er weiß auch: „Wir sind nicht fertig. Wir haben noch eine Warteliste. Für das kommende Kindergartenjahr, das im August 2014 beginnt, liegen bereits 240 Anmeldungen für einen U3-Platz vor, doch nur 227 werden frei. „Wir haben also schon eine Lücke von rund 30 Plätzen – und es werden sicher noch weitere Anmeldungen kommen“, so Asmussen. Gemeinsam mit den Eltern der leer ausgehenden Kinder werden er und seine Kollegen dann nach tragbaren Lösungen suchen.

Am größten ist der Bedarf in der Innenstadt, wo 46,8 Prozent der Kinder angemeldet werden, gefolgt von der Böcklersiedlung, Faldera und der Gartenstadt, wo 44,3 Prozent einen Platz benötigen. „Wir versuchen dann, Kinder auf Plätze in anderen Stadtteilen zu verteilen“, sagt Jörg Asmussen.

Kinder unter einem Jahr werden im gesamten Stadtgebiet kaum in eine Betreuung gegeben. Nur sechs Prozent der Eltern melden die Kleinsten an. „Der Schwerpunkt liegt rund um den zweiten Geburtstag“, so der Kita-Fachmann. Auch benötigen längst nicht alle Eltern einen Ganztagsplatz. Die Mehrheit wählt zwischen 20 und 30 Stunden Betreuungszeit pro Woche.

Durch Elternbefragungen ist außerdem klar geworden, dass die Öffnungszeiten nicht immer bedarfsgerecht sind. „Schließzeiten um 16 Uhr sind für viele zu früh, sie brauchen Betreuung bis 18 Uhr. An den Öffnungszeiten müssen wir also was drehen“, so Asmussen.

Im April oder Mai will die Politik entscheiden, ob in Zukunft weitere Krippenplätze eingerichtet werden müssen. „Zuerst muss dafür zum Beispiel untersucht werden, wie sich die Geburtenrate in Neumünster aktuell entwickelt“, erklärt Jörg Asmussen. Im Jahr 2012 ging die Zahlder Neugeborenen und damit der zukünftigen Krippenkinder nämlich deutlich zurück. Sollte sie wieder steigen, müsste darauf entsprechend reagiert werden. Und noch etwas will die Stadt verändern: Voraussichtlich 2015 soll es möglich sein, sich online für einen Platz anzumelden. Zurzeit muss noch jede Einrichtung einzeln kontaktiert werden.

❍Für Eltern, die einen U3-Platz suchen, gibt es derzeit Beratung unter Tel. 2521456 (es handelt sich dabei aber nicht um eine Vermittlungsstelle).


Kommentar:

Gemeinsam kann das Projekt gelingen:

Die Planung erfolgte mit Weitsicht. Rechtzeitig vor Inkrafttreten des Rechtsanspruchs auf einen Betreuungsplatz für Kinder unter drei Jahren hat sich die Stadt intensiv mit dem Ausbau der Krippenplätze beschäftigt. Und das nicht etwa aufs Geratewohl, sondern anhand exakter Zahlen. So wurde beispielsweise eine wissenschaftlich begleitete Elternbefragung gemacht, die Bedarf und Zeiten der Betreuung ermittelte. Und das zahlt sich mittlerweile aus. Sicher, es wird immer einige Eltern geben, die mit ihren Wünschen durchs Raster fallen oder länger auf einen geeigneten Platz warten müssen, als sie geplant hatten. Nur das liegt leider in der Natur der Sache.

Die Tatsache, dass bisher Klagen ausblieben, zeigt jedoch, dass das Gros der Familien zufrieden mit dem U3-Angebot ist. Hinzu kommt, dass man bei der Stadt schnell erkannt hat, dass verhärtete Fronten nichts bringen. Hier wird der Kontakt vor allem zu den Eltern gesucht, für die es noch keine zufriedenstellende Lösung gibt und gemeinsam nach Abhilfe gesucht. Wenn bei einem so großen Projekt weiterhin alle an einem Strang ziehen, muss es gelingen.

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