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DAK-Studie : Krankenstand erneut auf Rekordniveau

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Neumünster hat die meisten Kranken im Land. Immer mehr Seelenleiden

Neumünster | Macht Neumünster krank? – In keiner anderen Region des Landes gab es im vergangenen Jahr so viele Krankschreibungen wie in unserer Stadt. Das legt jedenfalls der „Gesundheitsreport“ der Deutschen Angestellten-Krankenkasse (DAK) nahe. Alarmierend: Bereits zum zweiten Mal in Folge nimmt Neumünster in der Studie den traurigen Spitzenplatz mit den meisten Kranken ein.

Für ihre jährlich erhobene Studie stützt sich die DAK auf landesweit rund 250 000 Versicherte, davon in Neumünster rund 13 000. Für 2014 errechneten die Statistiker für unsere Stadt auf dieser Basis einen Krankenstand von 4,6 Prozent. Konkret: Von 1000 Arbeitnehmern waren an jedem Arbeitstag des Jahres 46 krank geschrieben. Das ist nicht nur eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vorjahr (2013 waren es „nur“ 4,1 Prozent), sondern liegt auch deutlich über dem Schnitt: Sowohl für den Bund als auch für das Land weist die Studie einen Krankenstand von 3,9 Prozent aus.

Die wenigsten Krankmeldungen in Schleswig-Holstein gab es dem Report zufolge im Kreis Nordfriesland (3,4 Prozent). In den anderen drei kreisfreien Städten pendeln die Werte um den Landesdurchschnitt: Kiel 3,9 Prozent, Flensburg und Lübeck jeweils 4,0 Prozent.

Bereits im Gesundheitsreport von 2012 hatte Neumünster im Landesvergleich mit dem Krankenstand von 4,1 Prozent das Schlusslicht gebildet. Der Landesdurchschnitt lag damals unverändert bei 3,9 Prozent.

Eine Erklärung für die hohe Krankenlast in Neumünster liefert die Studie nicht. Für Dr. Alexandra Barth, Leiterin des Fachdienstes Gesundheit, könnte unter anderem ein vergleichsweise hoher Anteil von Menschen mit geringerer Bildung eine mögliche Ursache sein. Je höher die Bildung, desto besser sei für gewöhnlich auch die Ernährung und die individuelle Lebensführung der Menschen, erklärt die Ärztin.

Über die Zunahme der Krankentage macht sich die Expertin derzeit noch keine Sorgen: Die Veränderungen bewegten sich im Rahmen normaler Schwankungsbreiten. Erst bei einem längerfristigen Anstieg müsse man sich die Zahlen genauer anschauen.

Auffällige Veränderungen gab es auch bei den Diagnosen, die zu den Krankschreibungen führten. Nach wie vor stehen Krankheiten des Muskel- und Skelett-Systems wie Rückenleiden ganz oben auf der Liste. Die Beschwerden verursachten mehr als jeden vierten Fehltag (26,9 Prozent) – mit steigender Tendenz. Atemwegsprobleme, zu denen auch Erkältungen und Bronchitis zählen, gingen um fast ein Drittel zurück – vermutlich wegen des milden Winters. Seelenleiden wie Angstzustände und Depressionen nahmen dagegen um ein Drittel zu und sind jetzt die zweithäufigste Ursache (19,3 Prozent) für Krankschreibungen. Möglicherweise spiele dabei auch die wachsende gesellschaftliche Akzeptanz psychischer Erkrankungen eine Rolle, vermutet Dr. Alexandra Barth. Die Hemmschwelle, mit einer Depression zum Arzt zu gehen, sei glücklicherweise gesunken.

 

STANDPUNKT

von Jens Bluhm

Keine Frage, Neumünster ist – was seine wirtschaftliche Entwicklung angeht – auf einem guten Weg:  Die Erweiterung des Designer-Outlet-Centers an der Oderstraße und  die Eröffnung der Holsten-Galerie in der Innenstadt gaben und geben dem Handel gerade in diesen Tagen neue Impulse.  Das Profil als zentraler Logistikstandort wird laufend   geschärft, und potenziellen Neuansiedlern aus Dienstleistung und Industrie steht nicht zuletzt mit dem  Eichhofpark an der A 7  ein überaus attraktives Gewerbegebiet zur Verfügung. Die Aussichten der Stadt, wieder  zu wachsen, stehen nicht schlecht. 

Allerdings: Unternehmen, die sich mit dem Gedanken tragen, Neumünster  als neuen Standort zu wählen, schauen sich auch vermeintlich kleine Randbedingungen genau an. Und da lässt sich durchaus noch nachbessern. Dass Neumünster bereits zum wiederholten Mal  mit einem ungewöhnlich hohen Krankenstand auffällt, dürfte in den Chefetagen zumindest stutzig machen: Wieso ist das so? 

Die Stadt täte  gut daran, das Thema nicht aus den Augen zu verlieren, bevor es zu einem schlechten Standortfaktor heranwachsen  kann.

 

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erstellt am 27.Okt.2015 | 06:30 Uhr

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