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Holsteinischer Courier

13. Dezember 2017 | 20:05 Uhr

Rathaus : Krankenstand auf Rekordniveau

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

In der Stadtverwaltung fehlt im Schnitt jeder Mitarbeiter einen Monat. Personalratsvorsitzende beklagt fehlende Gefährdungsanalysen

Nach Ansicht der Personalratsvorsitzenden Sabine Heidebrecht-Rüge verstößt die Stadt in einigen Bereichen seit längerem gegen das Arbeitsschutzgesetz und gültige Tarifverträge. „Für jeden Mitarbeiter muss es eine Gefährdungsbeurteilung seines Arbeitsplatzes geben, auch mit Blick auf die psychische Belastung. Mitarbeiter in Kindertagesstätten und der Jugendarbeit haben laut Tarif sogar ein Recht auf die Analyse ihrer individuellen Gesundheitsgefährdung“, sagt sie. Beiden Punkten komme die Stadt bisher aber nicht genügend nach. Hintergrund ihrer Äußerungen ist der seit zwei Jahren sehr hohe Krankenstand im Rathaus.

So stiegen von 2011 auf 2012 die durchschnittlichen Fehltage je Mitarbeiter von 18,2 auf 23 an, 2013 dann noch einmal auf 23,7 – das entspricht gut einem Monat. „Die hohen Fehlzeiten lösen eine Spirale aus, denn die noch verbliebenen Mitarbeiter müssen zusätzliche Aufgaben übernehmen und werden dann auch krank“, sagt Sabine Heidebrecht-Rüge. Der Personalrat habe bisher stillgehalten, weil Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras Maßnahmen versprochen habe.

Die sollen nun auch kommen. In die Ratsversammlung am 18. Februar bringt der OB einen Antrag auf eine zunächst für drei Jahre befristete Planstelle zum sogenannten betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) ein (der Courier berichtete). Kosten: gut 72 000 Euro jährlich. Doch die Zustimmung ist unsicher, bereits im Hauptausschuss hatte die CDU ihre Ablehnung für den Gesundheitskoordinator signalisiert. Er soll den Grund für den sprunghaften Anstieg der Fehlzeiten analysieren, aber auch die Gesundheitskompetenz und Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiter fördern und deren Leistungsfähigkeit verbessern.

Dirk Brosowski, Fachdienstleiter Personal bei der Stadt, bestätigt, dass es flächendeckend in der Verwaltung noch keine Gefährdungsanalysen gibt. „Im Kita- und Sozialbereich aber sind wir sehr weit fortgeschritten. Das hat Priorität“, sagt er. Ihm zufolge sind vor allem die sogenannten Langzeitkranken, die länger als 42 Tage pro Jahr fehlen, ein Problem. Hier ist von 2011 auf 2012 ein sprunghafter Anstieg um knapp 62 Prozent auf 13 962 Fehlstunden zu verzeichnen. Im vergangenen Jahr ging die Kurve dann noch einmal um knapp 20 Prozent auf mittlerweile 16 630 Fehlstunden hoch. Darunter sind laut Brosowski viele psychosomatisch Erkrankte. „Den Grund dafür kennen wir nicht. Der Anstieg zieht sich durch alle Abteilungen“, so Brosowski. Für die Langzeiterkrankten bietet die Stadt ein betriebliches Wiedereingliederungsmanagement mit Gesprächen und Lösungsvorschlägen bei Unzufriedenheit am Arbeitsplatz an. 2012 nutzten 30 Prozent der Angesprochenen das Angebot.

Wie Sabine Heidebrecht-Rüge hofft auch Brosowski auf die Zustimmung der Ratsversammlung zu dem BGM-Antrag. „Bisher stehen Bürger nur in Einzelfällen in den Fachdiensten vor leeren Schreibtischen, weil die Mitarbeiter krank sind. Aber es muss sich etwas tun“, sagt der Fachdienstleiter.

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