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Holsteinischer Courier

14. Dezember 2017 | 20:23 Uhr

Migranten : Krank in der Fremde

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Gemeindepsychiatrischer Verbund veranstaltete einen Fachtag in der DRK-Klinik Hahnknüll

von
erstellt am 27.Apr.2017 | 08:15 Uhr

Neumünster | Als Migranten oder Flüchtlinge sind Menschen mit ganz unterschiedlichen ethnischen und kulturellen Wurzeln in Neumünster angekommen. Manche sind traumatisiert, leiden an psychischen Erkrankungen und Belastungen. Das stellt auch die im Gemeindepsychiatrischen Verbund Neumünster organisierten Mitglieder vor neue Herausforderungen. Ein Fachtag in der DRK-Klinik Hahnknüll unter dem Motto „Wie fremd ist das Fremde?“ widmete sich gestern dem Thema.

„Bei den institutionellen Stellen ist das Thema noch nicht so angekommen“, bekannte Regina Geuer von der Betreuungsbehörde der Stadt. Sigismund Oheim von der Brücke Neumünster erlebt in seinen Selbsthilfegruppen dagegen „immer mehr psychisch kranke Migranten“, wie er sagte.

In der Suchtberatung der Therapiehilfe am Großflecken hat Christoph Haaß ähnliche Erfahrungen gemacht. „Wir haben einen Anstieg junger Männer aus Afghanistan mit Suchtproblemen durch Opiate, THC/Cannabis, aber auch Alkohol“, sagte Haaß. Es sei nicht immer ganz einfach mit der Verständigung – und das nicht nur aus sprachlichen Gründen. „Es gibt unterschiedliche Auffassungen über Sucht“, so Haaß. Vielen Migranten sei zudem das Hilfesystem in Deutschland nicht bekannt, betonte Thomas Kolodzik von der Arbeiterwohlfahrt.

Reinhard Pohl von der Gesellschaft für politische Bildung schätzt, dass 60 Prozent der Flüchtlinge ein Bleiberecht erhalten werden. „Sie müssen auf ein Leben in Deutschland vorbereitet werden“, sagte Torsten Döhring als Vertreter des Beauftragten für Flüchtlings-, Asyl- und Zuwanderungsfragen. Als ein Erfolg versprechendes Modellprojekt wurde Mimi („Mit Migranten für Migranten“) gelobt. Migranten, die schon länger in Deutschland leben, werden darin als Gesundheitslotsen geschult. In Neumünster ist die Awo der Träger.

Reinhard Pohl wies jedoch auf ein grundlegendes Problem hin: „Das sind alles nur zeitlich begrenzte Projekte. Es wird nicht systematisch und nicht flächendeckend gemacht.“ Während es in Schweden in jeder Gemeinde Dolmetscher gebe, müsse man in Deutschland für jeden Einsatz einen Einzelantrag stellen. Das sei in einem der reichsten Länder der Welt unbefriedigend, meinte er.

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