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Lärmplage : Krähen rauben Anliegern den Schlaf

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Mieter am Sachsenring fordern Maßnahmen gegen eine krächzende Kolonie vor ihren Balkonen. Naturschutzbehörde verweist auf den Artenschutz

von
erstellt am 30.Mär.2016 | 11:00 Uhr

Neumünster | Margarethe Buth und Egon Marx, Bewohner eines Mehrfamilienhauses zwischen Sachsenring und Riemenschneiderstraße, sind sich einig: „So kann das nicht weitergehen. Die Stadt muss endlich was machen!“, fordern die genervten Mieter und zeigen auf die Baumreihe nur gut 30 Meter von den Balkonen ihrer Wohnungen entfernt: Wie bestellt flattern dort im selben Moment 20, 30 oder mehr Saatkrähen auf und umsegeln wild kreischend die Reisighaufen, die sie in den Baumwipfeln zu groben Nestern zusammengetragen haben. Ob sie sich um die besten Nistplätze zanken oder etwas anderes den Streit ausgelöst hat, ist nicht genau auszumachen, aber das Gekreische ist ohrenbetäubend.

„So geht das den ganzen Tag“, sagt Margarethe Buth. Meist setze der Lärm gegen 5.30 Uhr ein, manchmal beginne das Gezeter aber auch schon um 3.30 Uhr: „Die rauben uns den Schlaf!“ Aber nicht nur das: Vor vier Jahren zogen die ersten Krähen in die Baumwipfel an der Riemenschneiderstraße ein, und schnell haben sie offenbar gelernt, wo es auch in der Nähe etwas zu holen gibt. Mehrmals schon habe sie die Krähen beobachtet, wie sie auf der Suche nach Fressbarem die Gelben Säcke an den Mülltonnen der Hausanlagen auseinanderzupfen, sagt Margarethe Buth. Junge Mütter aus der Nachbarschaft beklagen sich darüber hinaus über die Kleckerei von oben auf dem gegenüberliegenden Spielplatz.

Allerdings: Alle Appelle an die Stadt, dem Übel ein Ende zu setzen und die nervenden Vögel zu vertreiben, seien bislang im Sande verlaufen, beklagen die beiden Anwohner unisono: „Wir wollen den Vögeln ja gar nicht ans Leder“, unterstreicht Egon Marx, aber es gebe mit Sicherheit Reviere, wo die Vögel weniger störten. Er schlägt vor, die Baumkronen an der Riemenschneiderstraße einzukürzen, um den Vögeln, die ausschließlich in den obersten Etagen der Bäume ihren Nachwuchs großziehen, das Nisten möglichst unattraktiv zu machen. Die Hoffnung, die sich damit verbindet: Die unter strengem Naturschutz stehenden Vögel mögen weiterziehen und sich neue Reviere suchen.

Genau darin aber liegt für die Naturschutzbehörden das Problem: Es spreche grundsätzlich nichts gegen eine Vergrämung der Vögel, wenn es zu schwerwiegenden Beeinträchtigungen komme, sagt Arne Drews vom zuständigen Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und und ländliche Räume in Flintbek. Allerdings sei niemandem damit gedient, wenn die Kolonien nur ständig verlagert würden, so Drews. Eine Vertreibung auf Kosten der Nachbarschaft helfe niemandem, „und das würden wir auch nicht mitmachen“, unterstreicht der Mann vom Landesamt.

Die Vergrämungen – etwa durch Lärm oder in hartnäckigen Fällen auch mit Wasserspritze oder Baumschnitt – sind daher nur in sehr begrenzten und gut begründeten Ausnahmefällen zulässig, etwa wenn sich eine Krähen-Kolonie in unmittelbarer Nähe eines Krankenhauses oder einer Kita ansiedelt.

Anja Schubring von der Unteren Naturschutzbehörde bei der Stadt kann sich lediglich an einen Fall einer genehmigten Vertreibung der geschützten Vögel erinnern: Als die Krähen vor Jahren die Besucher der Kapelle und ganze Trauerzüge auf dem Südfriedhof bekleckerten, wurden in den umliegenden Bäumen so genannte „Krähenklatschen“ installiert, die die Vögel mit lautem Knallen vertreiben sollten.

Den Anliegern am Sachsenring mag Anja Schubring dagegen wenig Hoffnungen auf eine Ausnahmegenehmigung machen.

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