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Anscharkirche : Kosaken eroberten Besucher im Sturm

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Auf Einladung des Eisenbahn-Männerchores gastierte der Don-Kosaken-Chor Serge Jaroff in der Anscharkirche.

Neumünster | Wenn der Don-Kosaken-Chor Serge Jaroff zu Besuch beim Eisenbahn-Männerchor (EMC) ist, wird er von seinen Gastgebern natürlich gebührend begrüßt. „Mnogaja leta“ stimmte der Männerchor am Sonntagabend vor 280 Gästen in der Anscharkirche an und eröffnete damit einen grandiosen Konzertabend.

Nachdem die Neumünsteraner Sänger ihren Gästen in russischer Sprache ein langes Leben (Mnogaja leta) gewünscht hatten, gaben sie Mozarts „Abendruhe“ zum Besten, um sodann den Don Kosaken die Bühne zu überlassen. „Schnallen Sie sich an, gleich wird es mitreißend“, riet Johannis Nicolaysen dem Publikum. Der 1. Vorsitzende des EMC hatte nicht zu viel versprochen. Ein Handzeichen des Dirigenten Wanja Hlibka – und aus 13 Männerkehlen wogte die „Große Bittlitanei mit Vater unser“ über die Köpfe und in die Herzen der Zuhörer. Beifallstürme waren den Don Kosaken bereits nach dem ersten Stück sicher.

Stimmgewaltig war auch das „Herr erbarme dich unser“, mit dem die schwarz gekleideten Sänger ohne Probleme und verstärkende Technik auch die letzten Reihen der Kirche fluteten. Frenetischer Beifall nach der ersten von Kirchengesängen geprägten Hälfte war der Lohn für stimmliche Qualitäten, die ihresgleichen suchen.

„Sehr beeindruckend“, meinte die Zuhörerin Andrea Engel in der Pause. Die Tochter eines Mitgliedes des Eisenbahnerchores hörte die Don Kosaken zum ersten Mal. Ganz anders Horst Schulz: Der Neumünsteraner saß bereits in den 60er-Jahren im Publikum, als die ursprüngliche Formation in den Holstenhallen gastierte. „Damals war der Gründer Serge Jaroff noch dabei. Der war so klein, dass er sich zum Dirigieren auf eine Kiste stellte“, erinnerte sich Schulz schmunzelnd. Sechs Mal hat er die russischen Sänger seit dieser Zeit live gesehen. „Von seiner Qualität hat der Chor in den letzten 50 Jahren nichts eingebüßt. Die machen gute Nachwuchsarbeit“, findet der Zimmermann im Ruhestand.

Er hat Recht. Nach wie vor beeindrucken die Bass-Stimmen mit abgründigen Tiefen und die Tenöre mit Höhen, in denen sich normalerweise Sopranistinnen bewegen. Für ihre Soli im zweiten Teil des Konzerts erhielten der Countertenor Igor Ishchak und der Basso profundo Nikolay Ansimov begeisterten Zwischenapplaus. Sichtlich bewegt war das Publikum, wenn die Don Kosaken leise Töne in den besinnlichen Passagen der melancholischen Stücke anschlugen.

Bravo-Rufe und ein stehendes Publikum holten die Sänger nach dem anderthalbstündigen Konzert zurück auf die Bühne. Als Zugabe erklang, sehr zur Freude das Publikums, der Hit „Kalinka“. Und als dann noch die Sänger des Eisenbahn-Männerchores die Bühne betraten, um gemeinsam mit den Don Kosaken Brahms Wiegenlied unter der Leitung von Manfred Braun anzustimmen, fand der Konzertabend in der Anscharkirche seinen perfekten Abschluss.

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erstellt am 13.Okt.2015 | 07:45 Uhr

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