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Holsteinischer Courier

18. Dezember 2017 | 23:59 Uhr

Konzert : Konzert mit Spielfreude und Charme

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

340 Konzertbesucher lauschten den musikalischen Botschaften der Royal Danish Brass im Theater der Stadthalle.

Sie verstehen sich als Kulturbotschafter ihres Landes. Am Montagabend waren der Hornist Henning Hansen, die beiden Trompeter Jonas Wiik und Lars Ejlif Hansen, der Posaunist Keld Jørgensen und Christian Bay mit samt seiner Tuba zu Gast im Theater in der Stadthalle. Im Gepäck hatten die fünf Musiker der Royal Danish Brass jede Menge dänische Spezialitäten: Musik vom Hofe Christian IV, zwei Quintette aus dem 20. Jahrhundert, ein Stück des dänischen „Nationalkomponisten“ Carl Nielsen, eine kleine Geschichte vom „Nachmittag des Trompeters“ und sehr viel Virtuosität und Humor.

Wie sollte es anders sein, begann der Abend mit dänischer Hofmusik aus dem 16. und 17 Jahrhundert. Die fünf Blechbläser des Royal Danish Brass sehen ihre musikalischen Wurzeln nämlich in der „Kongelige Kapel“. 1448 am Königlichen Hof gegründet, existiert die „Kapelle“ bis heute als Orchester der Königlichen Dänischen Oper Kopenhagen. Fünf kurze Stücke spielte das Quintett – in der musikalischen Stimmung äußerst verschieden, in der Ausführung ohne Ausnahme brillant dargeboten. Leise Töne, polyfon vorgetragen, gelangen den dänischen Musikern ebenso gekonnt wie die jubilierenden homofonen Partien.

Daran änderte sich auch bei den folgenden Stücken nichts. Verblüfft konstatierte das Publikum, mit welcher Dynamik die Musiker sich auf ihren Instrumenten verständigten. Da parlierten Waldhorn und Posaunen lässig miteinander, während die Tuba so lange ein paar tiefe Töne einwarf, bis sich die Trompeten zur Fanfare erhoben.

So viel zur Spielkunst der Dänen. Doch die Männer aus dem hohen Norden hatten weit mehr mitgebracht. Da waren zum einen die charmant frechen Ansagen des Posaunisten Keld Jørgensen. „Guardame Las Vacas“ aus der Suite Espagnole übersetzte er, sehr zum Spaß des Publikums, mit „Variationen zu Gib acht auf mein Vieh“. Zum anderen gab es für die 340 Besucher in der Stadthalle eine kleine Einführung in die Anfänge dänischer Musik um 1200 vor Christus. Zur Veranschaulichung hatte das Royal Danish Brass zwei Luren dabei. „Was hat ein Musiker wohl damals gespielt? Einen Ton? Eine Fanfare? Oder hat er multifonic gespielt? Vielleicht hat er sich auch zu einem Lippenglissando hinreißen lassen?“, spekulierte Jørgensen augenzwinkernd, bevor er seine Fragen im Duett mit Henning Hansen auf den Luren demonstrierte. Das Publikum war begeistert.

Nach der Pause schlugen die Musiker leichtere Töne an. Bachs „Air“ in einem Arrangement von Keld Jørgensen entzückte die Konzertbesucher ebenso wie „Trumpet Voluntary“ von J. Clarke und „Czárdás“ von Vittorio Monti. Letztere waren Werke, bei denen Jonas Wiik auf der Trompete und Christian Bay auf der Tuba mit halsbrecherischen Soli ihre Virtuosität unter Beweis stellten.

Nach zwei Stunden und zwei Zugaben war die Botschaft angekommen: Was ernste Musik, Spielfreude und Charme betrifft, haben die Dänen einiges zu bieten.

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