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Holsteinischer Courier

28. Juli 2017 | 02:52 Uhr

Kleingärten : Konzept gegen den Leerstand

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Stadt will dem hohen Leerstand mit dem Umbau von Kleingartenanlagen und dem Rückbau von Parzellen begegnen

Neumünster | Mit einer Dichte von 2,2 Kleingärten je 100 Einwohner ist Neumünster eine Hochburg des Schrebergartens. Die Gesamtfläche der 16 Anlagen beträgt 1,16 Millionen Quadratmeter. Das entspricht etwa 162 Fußballfeldern oder 1,6 Prozent der Stadtfläche. Doch die Blütezeiten des Kleingartenwesens sind lange vorbei: Ende 2016 standen mehr als ein Viertel der etwa 2150 Parzellen leer.

Die Stadt will gegensteuern und das Kleingartenwesen mit einem Entwicklungskonzept zukunftsfähig machen. Es ist heute Thema im Hauptausschuss (18.30 Uhr, Rathaus Sitzungszimmer 2.5/2.6) und soll am 18. Juli von der Ratsversammlung als Planungsgrundlage beschlossen werden. Die Analyse ist schonungslos. Die Leerstände seien „signifikant hoch“ und seit 2009 von der damals schon hohen Rate von 15 Prozent auf jetzt gut 25 Prozent gestiegen – und das, obwohl seit 2014 bereits 80 Parzellen an der Ostbahn aufgegeben wurden. Die Anlage soll langfristig ganz aufgegeben werden (der Courier berichtete).

Während kleinere Anlagen wie Waldburg oder Ruthenbergskamp kaum oder gar nicht mit Leerstand zu kämpfen haben, beträgt er bei Glückauf heftige 53 Prozent. Den Kreisverein der Kleingärtner stellt das vor enorme finanzielle Herausforderungen. Es fehlen nicht nur Einnahmen aus Pachtverträgen, sondern auch die Mitglieder – also deren Beiträge und in vielen Gemeinschaften auch ihr ehrenamtlicher Einsatz. Leerstände provozieren weitere negative Folgen. „Durch die Verwahrlosung ganzer Anlagenbereiche und durch Vandalismus entstehen Bereiche außerhalb sozialer Kontrolle“, heißt es im Konzept. Es bleiben Gemeinschaften „mit erheblich eingeschränkter sozialer Integration zurück“.

Das unter Beteiligung der Kleingärtner entwickelte Konzept macht Vorschläge, wie die Attraktivität des Kleingartenwesen gesteigert, die Anlagen aufgewertet und modernisiert werden können. Auf diese Weise können Überkapazitäten abgebaut werden und der Kreisverein der Kleingärtner entlastet werden – so die Erwartung.

Ein Rahmenplan ordnet die Anlagen den verschiedenen Entwicklungstypen (siehe Infokasten) zu. Kolonien der Kategorie A mit geringem Leerstand sollen punktuell aufgewertet werden. Bei der Kategorie B werden größere Umbauten vorgeschlagen. In die Kategorie C (hoher struktureller Leerstand und schlechte Entwicklungsmöglichkeiten) fällt als einzige die Ostbahn, die stufenweise zurückgebaut und aufgegeben werden soll. Die Kolonie Heinrich Förster zwischen Wernershagener Weg und Wasbeker Straße in Faldera ist ein Beispiel für die Kategorie B. Die Planer schlagen hier einen größeren Umbau vor, der auf eine Aufteilung in drei kleinere und besser überschaubare Gemeinschaften hinausläuft.

Zweites Kernstück des Konzepts für Heinrich Förster ist die Errichtung eines Kleingartenparks an Stelle von leer fallenden Parzellen, die nicht wieder verpachtet werden sollen. In dem Park sind eine Jogging-Strecke mit Fitnessgeräten, ein öffentlicher Spielplatz, ein Naturlabyrinth oder auch ein Kiosk mit Toiletten denkbar. Nicht mehr vermietbare Parzellen könnten auch zu einer Streuobstwiese umgestaltet werden. Für die überdimensionierte Gemeinschaftshalle lautet der Vorschlag: Abriss. Der nordwestliche Teil von Heinrich Köster mit heute bereits hohem Leerstand soll langfristig ganz aus der Anlage herausgelöst werden und als Baulandreserve dienen.

Viele Kleingärtner sehen den Handlungsbedarf. „Das Vereinsleben ist nicht mehr das wie früher“, sagen Doris und Hasso Schnell in der Anlage Heinrich Förster. Die Gemeinschaftshalle werde schon lange nicht mehr bewirtschaftet und nur noch für private Veranstaltungen vermietet. Christa Hinzmann (68) ist seit 1994 an der Ostbahn und traurig, dass die Anlage aufgeben werden soll. In der Anlage Ruthenbergskamp meint Hanna Würffel (71): „Wir haben noch Glück. Es gibt zwar Wechsel, aber keine Leerstände. Die Gemeinschaft funktioniert.“

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erstellt am 27.Jun.2017 | 13:00 Uhr

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