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Holsteinischer Courier

17. Dezember 2017 | 04:05 Uhr

Insolvenzen : Konjunktur brummt, weniger Pleiten

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Zahl der Unternehmensinsolvenzen ist rückläufig. Immer mehr Privathaushalte suchen Hilfe bei der Schuldnerberatung der Diakonie

von
erstellt am 12.Aug.2014 | 06:00 Uhr

Neumünster | Die gute Konjunktur spiegelt sich auch in Neumünster in rückläufigen Insolvenzzahlen wider. Mussten 2012 noch 49 Unternehmen wegen Überschuldung oder Zahlungsunfähigkeit den Gang zum Amtsgericht antreten, waren es 2013 nur noch 34. In diesem Jahr stellten bis einschließlich Mai 17 Firmen Insolvenzantrag. Neuere Zahlen vom Statistikamt Nord liegen noch nicht vor.

Bei den Verbraucherinsolvenzen gingen die eröffneten Verfahren von 248 im Jahr 2012 auf 179 im vergangenen Jahr zurück. In diesem Jahr mussten bis gestern 89 Neumünsteraner den „Offenbarungseid“ ablegen.

Amtsgerichtsdirektor Andreas Martins kann den Trend bestätigen: „Es ist ein bisschen weniger geworden.“ Die größte Firmeninsolvenz im laufenden Jahr ist die der Fleischerei- und Spezialmaschinenfabrik Kilia mit 51 Beschäftigten an der Christianstraße (der Courier berichtete). Das Verfahren ist inzwischen eröffnet worden. Bestellungen über das Internet und Telekommunikationsunternehmen machten es den Verbrauchern leicht, sich zu verschulden, so Andreas Martins.

Sven Torben Hanisch ist Chef der Wirtschaftsauskunftei Creditreform in Neumünster und Flensburg und registriert ebenfalls rückläufige Zahlen bei den Unternehmens- wie bei den Privatinsolvenzen. Deutschlandweit sank die Zahl der Firmenpleiten auf den niedrigsten Stand seit Einführung der neuen Insolvenzordnung im Jahr 1999.

Als Grund nannte Hanisch die „anhaltend gute Konjunktur sowie die günstigen Finanzierungsbedingungen“. In Schwierigkeiten geraten vor allem sehr kleine Firmen mit bis zu fünf Mitarbeitern. Gerade das Handwerk, etwa die Bau- und Ausbaugewerke, habe aber nach zwei Herbststürmen und dem milden Winter gut zu tun. „Die Auftragsbücher sind voll“, sagte Sven Torben Hanisch.

Bei den Verbraucherinsolvenzen mögen die Zahlen konstant oder leicht rückläufig sein. „In der Beratungsstelle merken wir davon nichts. Ganz im Gegenteil: Die Zahl der Menschen steigt, die bei uns Rat und Hilfe suchen“, sagte Sibylle Schwenk. Sie ist die Leiterin der Schuldner- und Insolvenzberatung bei der Diakonie Altholstein Am Alten Kirchhof. Dort meldeten sich in diesem Jahr bisher schon 209 Personen zur Insolvenzberatung an. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es nur 174 Menschen.

„Wir hatten von 2012 auf 2013 einen deutlichen Rückgang und auch die Hoffnung, dass sich das so fortsetzt. Dem ist leider nicht so“, sagte Sibylle Schwenk: „Wir rätseln, was die Gründe sind, denn eigentlich geht es konjunkturell aufwärts.“ Allerdings lebten viele Klienten der Schuldnerberatung in prekären Beschäftigungsverhältnissen und müssten ihren Niedriglohn mit Hartz IV aufstocken, sagte Sibylle Schwenk.

Auch wenn die finanziellen Probleme nicht in eine Privatinsolvenz münden, bleibt das Thema Überschuldung akut. Die Fälle in der allgemeinen Schuldnerberatung und bei der Krisenintervention in der offenen Sprechstunde steigen seit Jahren. Suchten hier 2011 noch 320 Menschen Rat und Hilfe, waren es 2012 schon 388. 2013 waren es dann 514 und in diesem Jahr schon 291 Menschen.

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