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Demonstration : „Kommt raus, ihr habt uns betrogen!“

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Ehemalige Kunden erheben schwere Vorwürfe gegen die Commerzbank / Rund 30 Menschen demonstrierten auf dem Gänsemarkt

shz.de von
erstellt am 04.Apr.2014 | 06:30 Uhr

„Bankräuber ins Gefängnis!“, „Abgezockt und ausgenommen, gebt uns unser Geld zurück!“, „Wir Bankkunden, getäuscht und betrogen!“ – Mit selbstgemalten Transparenten und lautstark vorgetragenen Parolen demonstrierten gestern Vormittag rund 30 Menschen vor der Commerzbank-Filiale am Gänsemarkt. Ihr Protest richtet sich gegen die angebliche „Falschberatung“ und ihrer Meinung nach „aggressive Verkaufsstrategie“ des Bankhauses.

„Die haben mich seinerzeit regelrecht überrumpelt“, klagte ein Neumünsteraner, der 2005 in Papiere der Commerzbank investierte. Zwischen 30 000 und 40 000 Euro habe er in der Bankenkrise 2008 verloren, sagte der Mann , der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen will. Er fühle sich von seinem Berater hintergangen, klagt der 59-Jährige. Dass der Kundenbetreuer ihm hoch spekulative Zertifikate und Fonds „untergeschoben“ habe, habe er erst erfahren, als es zu spät gewesen sei. „Da war das Geld schon weg.“

Auch Peter Schneekluth (73) aus Klütz bei Wismar sieht sich als Opfer: Eine fünfstellige Summe aus dem Verkauf seines Elternhauses habe er 2008 bei seiner Commerzbank-Filiale in Wismar anlegen wollen. Sicher und kurzfristig verfügbar sollte das Geld sein, versichert der Bäcker im Ruhestand. Tatsächlich seien ihm aber Zertifikate verkauft worden. „Ich weiß bis heute nicht genau, was das eigentlich ist“, sagte der Rentner. „Niemals hätte ich das unterschrieben, wenn ich gewusst hätte, dass sich das Geld in Luft auflösen kann.“ Seit fünf Jahren kämpft der Mecklenburger um Schadensersatz für seine verlorene Altersversorgung, bislang ohne Erfolg. Deshalb sei er dem Aufruf zur Demonstration nach Neumünster gefolgt.

Organisiert hat die Protestaktion Peter Kleinjung. Der Tungendorfer hatte seinerzeit selbst bei der Postbank mit spekulativen Schiffsfonds viel Geld verloren und wegen Falschberatung geklagt. Seither versucht er, auch den Kunden anderer Banken in ähnlichen Situationen mit gemeinsamen Protestaktionen den Rücken zu stärken. Die Demonstrationen sollen öffentlichen Druck auf die Banken ausüben und sie im Streit mit ihren Kunden zum Einlenken bewegen. Bereits in der kommenden Woche will er in Hamburg eine ähnliche Protestaktion organisieren.

Kleinjungs Versuch, mit der Geschäftsführung der Commerzbank ins Gespräch zu kommen, scheiterte gestern Vormittag aber bereits im Ansatz. In der Commerzbank wollte man sich auf eine inhaltliche Diskussion über die Streitfälle – die überwiegend auch gar nicht Neumünster betreffen – nicht einlassen und verwies stattdessen auf die Regionalzentrale in Hamburg.

Deren Pressesprecherin Dagmar Baier äußerte sich gestern zurückhaltend: „Wir nehmen die Demonstration sehr ernst und prüfen jeden Einzelfall“, sagte Baier. Allerdings habe man keinerlei Unterlagen, eine Resolution oder ähnliches erhalten.

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