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Holsteinischer Courier

21. August 2017 | 05:06 Uhr

Müllabfuhr : Kommt die kleine Tonne?

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Stadt plant ein neues Gebührenmodell für die Abfallentsorgung. Der Anteil der Bioabfälle in der teuren grauen Tonne soll sinken.

Neumünster | Die Stadt plant ein neues Gebührenmodell für die Abfallentsorgung und will damit vor allem die Menge des Biomülls in der grünen Tonne steigern. „Es landet zu viel Bio im Restmüll, und der muss zu einer viel teureren Gebühr entsorgt werden“, sagte Ingo Kühl. Der Leiter des Technischen Betriebszentrums stellte gestern mit Stadtsprecher Stephan Beitz die Pläne vor.

Sie sind am 20. April Thema im Finanzausschuss. Allerdings handele es sich noch nicht um eine Vorlage für einen Beschluss. „Es ist der Startschuss für eine Diskussion mit den politischen Gremien, den Stadtteilbeiräten und Verbänden wie dem Siedlerbund und Haus und Grund“, so Kühl. Seine Botschaft an die Interessenverbände: „Wenn der Kunde besser trennt, kann er die Höhe der Gebühren beeinflussen.“ So kostet Grünabfall in der Entsorgung mit etwa 55 Euro je Gewichtstonne nicht einmal halb so viel wie die des Restabfalls in der grauen Tonne, die mit etwa 130 Euro je Gewichtstonne zu Buche schlägt. Kühl: „Wer nicht richtig trennt, macht das auf Kosten aller Gebührenzahler.“

Um die neue Gebührensatzung rechtssicherer und demografiefest zu machen, schlägt das TBZ auch neue Behältergrößen von 60 Litern als kleinste Größe bei der grauen wie bei der grünen Biotonne vor. Neue Tonnen bräuchte es dafür nicht, denn die alten würden mit einem Einsatz verkleinert oder bekämen eine Markierung zur maximalen Befüllung. Im Kreis Rendsburg-Eckernförde ist das schon die Praxis. „Die 120-Liter-Tonne ist für viele Haushalte zu groß“, sagte Kühl mit Blick auf die steigende Zahl von Single-Haushalten.

Bei den Gebühren sind verschiedene Modelle denkbar. Zum einen ist das der gegenwärtige Stand, allerdings mit der 60-Liter-Tonne als weiterer Option. Experten vom Institut für Abfall, Abwasser und Infrastrukturmanagement aus Ahlen haben errechnet, dass 5 Prozent der Haushalte beim Restabfall auf die kleine Tonne umsteigen würden und 7,5 Prozent der Haushalte, die ihren Bioabfall bisher selbst kompostieren, auf die kleine grüne Tonne. Die Anschlussquote bei der grünen Tonne könnte so von 74 auf 76 Prozent steigen.

Deutlich mehr würde eine Einheitsgebühr bringen, wie es sie im Kreis Segeberg gibt. Dort muss jeder eine graue und grüne Tonne nehmen oder seinen Anteil an der Bio-Logistik mitbezahlen. In der Folge nahmen mehr Haushalte eine grüne Tonne. Kühl: „Das haben wir jetzt nicht. Wer keine grüne Tonne hat, beteiligt sich nicht am System.“ Die Anschlussquote könnte nach Berechnung der Fachleute auf 84 Prozent steigen, da ein Fünftel der Selbstkompostierer auf die 60-Liter-Biotonne und ein weiteres Fünftel auf die 120-Liter-Biotonne umsteigen würden.

Standpunkt

Einbindung der Bürger ist richtig

Die Kalkulation der Abfallgebühren steht für 2017 sowieso an. Dass die Stadt jetzt frühzeitig  die gesamte Abfallsatzung und auch das Gebührenmodell auf den Prüfstand stellt und die Kommunalpolitik, die Hauseigentümer  (über ihre Verbände)und die Bürger (über die Stadtteilbeiräte) ergebnisoffen in die Diskussion mit einbindet, ist zu loben. Bei einem heiklen Thema wie  Müll mit streitträchtigen  Aspekten wie Gebühren, Anschlusszwang und Kontrolle ist Transparenz wichtig. Schon die letzte Satzungsänderung mit einer Verschärfung der Bestimmungen für Eigenkompostierer sorgte für Unruhe. Umso wichtiger ist es, Skeptiker  mit Argumenten zu überzeugen, dass sich die grüne Tonne für alle rechnet und den Gebührenanstieg dämpft.  Dass die Entsorgungskosten auch künftig steigen, scheint allein schon durch immer teurere Energie sicher.

 
 

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erstellt am 12.Apr.2016 | 08:00 Uhr

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