Handwerkskunst in Neumünster : Klempner mit künstlerischer Ader

Mit dem Schweißgerät fügt Klaus Peter Riecken die Metallreste zu Kunstwerken zusammen.
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Mit dem Schweißgerät fügt Klaus Peter Riecken die Metallreste zu Kunstwerken zusammen.

Klaus Peter Riecken wirkte an der Restaurierung des Rathaustürmchens mit und stellt aus Schnittresten kleine Schätze her.

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27. Februar 2018, 08:15 Uhr

Neumünster | In einer Serie stellt der Courier alte Handwerkskunst aus Neumünster vor. Heute: Klempner Klaus Peter Riecken (69).

„Ein Fach kann jeder – bei mir ist das die Klempnerei. Das heißt: Der Umgang mit Lötkolben und Schweißgerät. Alles, was Metalle verbindet, ob das nun VA, Messing, Kupfer, Zink oder Bleiverbindungen sind“, sagt Riecken. Es gebe auch heute noch viele Bleifassaden und Einfassungen, etwa von Dachfenstern und Schornsteinen.

„Vieles muss da noch von Hand geschehen. Wie wollen wir sonst die schönen alten Gebäude und Kirchen erhalten? Oder unser Rathaus“, sagt Riecken. 2014 wirkte Riecken an der Restaurierung des historischen Rathaustürmchens mit. „Das war eine ganz schöne Fummelarbeit. Das damals verwendete Kolophoniumzinn und die Kupferschicht waren durch die Wettereinflüsse dünn wie Pergament geworden“, sagt Riecken, der seinerzeit aus dem Ruhestand aktiviert worden war.

Bis zu seinem 60. Lebensjahr arbeitete Riecken als Haushandwerker bei der Bundesanstalt für Milchforschung in Kiel. Die Lehre hatte er noch ganz klassisch nach dem Volksschulabschluss im Alter von 15 Jahren in Wankendorf begonnen. „Da hieß es noch Klempner und Installateur“, sagt er.

Das wurde später getrennt. „Der Klempner arbeitet heute mit allem, was aus Blech am Haus ist: Dachrinnen, Regenrohre, Fenster- und Schornsteineinfassungen, Falzdächer und Gauben“, sagt Riecken, der neben dem handwerklichen Geschick auch eine ausgeprägte künstlerische Ader hat. Aus Zuschnittresten entstehen in seiner Werkstatt kleine und große Kunstwerke vom Vogelhäuschen über kupferne Wetterhähne bis hin zu praktisch unverwüstlichen Grills aus VA-Stahl oder Gartenmöbel im Bauhaus-Stil.

„Ich würde den Beruf auch heute wieder lernen. Man muss sich dabei jeden Tag etwas einfallen lassen. Jedes Haus ist anders, Standard macht mir keinen Spaß“, sagt Klaus Peter Riecken.

Den Verkauf seiner Kunstwerke hat er eingestellt. „Gegen den Metallklau kommt man einfach nicht an“, sagt Riecken und nennt die Diebstähle auf dem Friedhof besonders schlimm. „Der Metallwert steht in keinem Verhältnis zum angerichteten Schaden.“

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