Neumünster : Kleinvereine fallen aus der Förderung

Der Squashverein, hier mit Hendrik Remer, muss künftig ohne Zuschüsse planen.
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Der Squashverein, hier mit Hendrik Remer, muss künftig ohne Zuschüsse planen.

Neue Sportfördergrundsätze setzen Anreize für Fusionen zu größeren, leistungsstarken Klubs und Kooperationen.

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31. Januar 2018, 08:15 Uhr

Neumünster | Die seit 1999 geltenden Sportförderrichtlinien der Stadt sollen auf eine neue Grundlage gestellt werden. Das dürfte Neumünsters Vereinslandschaft mit zurzeit 55 Sportvereinen durcheinander wirbeln und vor allem kleinere Spartenklubs treffen.

So sollen ab dem kommenden Jahr nur noch Vereine mit mehr als 100 Mitgliedern Fördermittel erhalten. Bislang galt eine Grenze von 50 Mitgliedern. Es soll dabei aber Übergangsregelungen geben, damit die Vereine wie der ausdrücklich genannte Reiterverein die Zeit bekommen, ihre Struktur anzupassen. Sofort aus der Förderung fallen sollen neun Vereine, darunter der Squash-Verein, der Schachclub Agon oder der 1. Pool-Billard-Club.

„Der Trend geht zu größeren, leistungsstarken Sportvereinen“, heißt es in den Sportfördergrundsätzen, die jetzt durch die politischen Ausschüsse, etwa den Sportausschuss am Donnerstag, 1. Februar, um 18 Uhr im Holstenhallen-Restaurant gehen und am 13. Februar im Rat verabschiedet werden sollen.

Die Entwicklung zu großen Vereinen solle „unterstützt werden, indem kleine Organisationen nicht mehr oder nur gekürzt und auch erst drei Jahre nach Neugründung bezuschusst werden“, heißt es in der Vorlage. Für Vereinsfusionen und Kooperationen wird dagegen eine „Anreizfinanzierung“ in Aussicht gestellt.

Auch die Übungsleiterpauschalen soll um 20 Prozent von bisher 2,50 Euro je Stunde auf 3 Euro erhöht werden. Allerdings steht das noch unter dem Haushalts-Vorbehalt, dass die zusätzlichen 28 000 Euro im Sportfördervertrag ab 2019 erhöht werden. Unter dem gleichen Vorbehalt sollen auch die Beihilfen der Stadt für die Unterhaltung von Sportanlagen der Vereine ab 2019 um etwa 54 000 Euro erhöht werden. Im Gegenzug soll es aber auch die Möglichkeit geben, Zuschüsse zu kürzen oder auch abzulehnen, wenn die Vereine keine ausreichende Pflege oder Auslastung ihrer Sportanlagen nachweisen. Vereinsneugründungen sollen vermieden werden.

Für Bernd Delfs, den Vorsitzenden im Schul-, Kultur- und Sportausschuss, wird nach vielen Jahren der Diskussion um den Sportentwicklungsplan damit ein Knoten durchschlagen, „um den Sport auf eine solide Basis zu stellen“. Das mache man durch eine kräftige Erhöhung bei Übungsleiter- und Unterhaltungszuschüssen. „Das ist wichtig und dennoch nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt Delfs und erwartet im Gegenzug vom Sport, dass die Förderrichtlinien auch rigoros kontrolliert und überprüft werden. Förderung könne es nur unter bestimmten Voraussetzungen geben. Delf: „Kleine Vereine sind heute nicht mehr überlebensfähig. Der Weg führt zu größeren Sportvereinen.“

Ute Freund ist die Vorsitzende des Kreissportverbands und betont: „Das ist keine Zäsur, sondern eine Modernisierung.“ Die neuen Richtlinien seien in einem gemeinsamen Prozess entstanden, hinter dem die Vereine stehen. Im KSV-Beirat seien auch die kleinen Vereine vertreten, und dort seien die Richtlinien mit nur einer Gegenstimme angenommen worden. „Es sind überwiegend kleine Beträge, die wegfallen“, sagt Ute Freund und nennt das Radsport-Team Neumünster. Die Förderung hier betrug 2017 gerade einmal 12 Euro – im ganzen Jahr!

Ute Freunds Mann Norbert ist Vorsitzender des SC Gut Heil und nennt es vernünftig, dass die Stadt „die Fördermittel nicht mehr nach dem Gießkannenprinzip austeilen will“.

Auch bei Neumünsters größtem Sportverein, dem SV Tungendorf mit über 4000 Mitgliedern, sieht der Vorstandsvorsitzende Christoph Blöh die „konsequente Umsetzung der Sportentwicklungsplanung als positiv an“. Er lobt das Vorgehen von Verwaltung und KSV in dieser Frage und sieht schon erste Folgen. Der Pool-Billard-Club will seine Selbstständigkeit aufgeben und sich dem SVT als Sparte anschließen. „Das sollte Schule machen“, so der SVT-Vorsitzende.

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