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Kleingärten : Kleingärtner-Verein schöpft neue Hoffnung

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Pachten werden immer drückender: Die Stadt will endlich ihr Hilfskonzept anschieben / Die SPD will im Bauausschuss Druck machen

Neumünster | Für Neumünsters Kleingartenvereine wird die Luft immer dünner: Allein in den vergangenen zwei Jahren gaben rund 200 Laubenpieper ihre Parzellen zurück. Von den derzeit noch 1655 Kleingärten der Stadt sind mittlerweile 439 verwaist. Das macht für die Nachbarn nicht nur das Gärtnern schwerer, sondern bringt die Vereine auch finanziell immer mehr in Bedrängnis. „Wenn das so weitergeht, müssen wir in ein paar Jahren Insolvenz anmelden“, befürchtet Hansheinrich Gräfe, Vorsitzender des Kreisvereins der Kleingärtner. Das könne nicht im Interesse der Stadt sein, sagt Gräfe und mahnt vorsichtig die seit Jahren versprochene Hilfe der Kommune an.

Das Problem der Kleingärtner: Für die derzeit elf Kleingartenanlagen der Stadt überweist der Kreisverein Jahr für Jahr rund 88 000 Euro Pacht an die Stadt, und zwar unabhängig davon, ob die Gartenparzellen belegt sind oder nicht. Jeder neue Leerstand in der Anlage reißt daher ein zusätzliches Loch in die Gemeinschaftskasse. Die Belastung gehe in manchen Anlagen seit langem weit „über das vertretbare Maß hinaus“, unterstreicht Gräfe: So stehen in der besonders hart betroffenen Anlage Ostbahn in Tungendorf derzeit etwa 96 von 131 Kleingärten leer. „Das lässt sich von der Gemeinschaft nicht mehr auffangen“, sagt Gräfe.

Um den Kleingärtnern entgegenzukommen, versprach die Stadt daher bereits vor Jahren, einen Teil der Gärten in der Dosenbek-Niederung aus der Pacht herauszunehmen und das Gelände zu renaturieren. Das würde den Verein um mehrere 1000 Euro pro Jahr entlasten. Passiert ist bis heute jedoch nichts.

Patentrezepte gegen das Ausbluten der Kleingartenanlagen hat auch Gräfe nicht, denn es gibt viele Ursachen: Zunächst der Abzug der Bundeswehr, der demografische Wandel, aber auch die starke Zunahme an Einfamilienhäusern haben der Kleingartenbewegung in Neumünster in den vergangenen Jahrzehnten zugesetzt. Gräfe wünscht sich auch eine Reform des Bundeskleingartengesetzes. „Streng genommen müssen wir bei den Kleingärtnern noch immer darauf bestehen, dass sie Gemüse anbauen. Das Interesse am Kleingarten hat sich aber längst weg von der Eigenversorgung hin zum Freizeit- und Naturerlebnis verschoben. Das muss endlich angepasst werden“, erklärt Gräfe. Die Stadt könnte den Kleingärtnern helfen, indem sie den Pachtzins senkt oder ihn nur auf Flächen anwendet, die tatsächlich weiterverpachtet sind, schlägt Gräfe vor.

Tatsächlich könnte in die Bemühungen zur Unterstützung der Kleingärtner wieder Bewegung kommen: Im Bauausschuss am 19. März will die Stadt über den Stand ihres Kleingartenkonzepts berichten. Immerhin ist seit Mitte Februar ein Geografie-Student dabei, den Ist-Zustand der Kleingarten-Anlagen zu dokumentieren. Der SPD ist das zu wenig, sie will jetzt aufs Tempo drücken. Der Ausschussvorsitzende Axel Westphal (SPD) fordert mehr Ideen zur Stabilisierung der Kleingartenanlagen, etwa über mögliche Zusammenlegungen, die Einrichtung von Kleingartenparks oder eine stärkere Kooperation mit Kindergärten, Schulen und sozialen Einrichtungen. „Wir brauchen kurzfristig eine finanzielle Entlastung für die Kleingärtner und eine langfristige Entwicklungsperspektive, um das Kleingartenwesen abzusichern“, so Westphal.

Möglicherweise könnte auch der aufziehende OB-Wahlkampf dem Thema neuen Schub verleihen: Für die Jahresversammlung des Kreisvereins am 11. April haben sich sowohl Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras als auch dessen Gegenspielerin Elke Christina Roeder angesagt.

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erstellt am 11.Mär.2015 | 05:30 Uhr

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