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Europawahl : Kleine Parteien: Von Jubel bis Frust

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Im Rathaus verfolgten Bürger und Politiker die Wahlergebnisse. Die Reaktionen.

Neumünster | Zumindest einen „Sieg“ konnte der CDU-Kreisvorsitzende Wolf Rüdiger Fehrs gestern Abend feiern: Er war um 18.25 Uhr als erster im Rathaus bei der Übertragung der Wahlergebnisse, dicht gefolgt vom stellvertretenden SPD-Kreisvorsitzenden Axel Westphal.

Richtig voll wurde es dort aber nicht. Neben einer Handvoll Bürgern schauten sich Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras und Stadtrat Günter Humpe-Waßmuth die von Hans-Jürgen Eichhorn vom Fachdienst EDV-Dienste auf die Leinwand projizierten Grafiken an. Von den kleineren Parteien waren Grünen-Fraktionschef Thomas Krampfer, sein Kollege vom Bündnis für Bürger, Jörn Seib, sowie Thomas Puls (Piraten) vor Ort.

Als um kurz nach 19.30 Uhr das vorläufige amtliche Endergebnis der Europawahl aufleuchtete, atmete Thomas Krampfer tief durch. Die 8,9 Prozent bedeuteten exakt das Resultat von vor fünf Jahren. „Damit können wir leben“, sagte der Grüne.

Dagegen war Thomas Puls von den Piraten mit den 1,8 Prozent nicht richtig zufrieden. „Es ist uns nicht gelungen, den Bürger vernünftig über unsere Arbeit zu informieren“, übte er Kritik am Europawahl-Kampf seiner Partei. Nun gelte es, sich besser zu positionieren. „Den Leuten muss klar sein, wofür wir stehen“, sagte er.

Gelassen schaute sich derweil Jörn Seib vom Bündnis für Bürger (BFB) das Ergebnis der Europawahl an. „Die SPD ist der klare Sieger, die FDP bleibt auf dem Niveau der Bundestagswahl“, analysierte er. Bedenken äußerte er angesichts des starken Ergebnisses der Alternative für Deutschland. „Die haben leider mit ihrer Propaganda zu viele Wähler hinter sich gebracht. Das darf man nicht unterschätzen“, sagte er.

Entsprechend in Feierlaune war am Abend Jannick Joost, Kreissprecher der Alternative für Deutschland (AFD): „Mit 7,2 Prozent wurden unsere Erwartungen klar übertroffen. Wir sind in absoluter Hochstimmung!“ Das Ergebnis zeige, dass die AFD in Neumünster und bundesweit fest zur politischen Landschaft gehöre. Joost: „Wir haben spontan eine Party organisiert und feiern bei einem Mitglied zu Hause.“

Die FDP verfolgte im Café Jollie am Großflecken die Wahl. Der Tenor: Bedauern und Enttäuschung darüber, dass keine Trendwende geschafft wurde. Freude herrschte bei allen über die hohe Wahlbeteiligung. FDP-Fraktionschef Stefan Kommoß: „Das ist bei allem Schmerz trotzdem eine positive Geschichte.“ Als erfreulich wertete aber der Kreisvorsitzende Dr. Wolfgang Stein die sechs Prozent für die AFD: „Wenn nur 6 Prozent eine eurokritische Haltung zeigen, ist der Rest dafür. Das gilt auch für das Einwanderungsthema.“ Für Kommoß war klar: „Das ist populistischer Mist. Mit einfachen Dingen werden hier Menschen gefangen.“ Was Wolfgang Kubicki im Fernsehen verkündete, war die Zukunftsparole für die FDP: „Das haut uns nicht um, wir müssen weitermachen und noch mehr arbeiten. Wir wissen, dass noch viel Aufbauarbeit zu leisten ist“, sagte Reinhard Ruge.

Bei den Linken, die im KDW am Waschpohl bei einer Grillparty die Wahlen verfolgten, herrschte eitel Freude über das Abschneiden ihrer Partei. „Das ist ein großer Erfolg. Denn 2009 waren wir noch eine Protestpartei, jetzt sind wir ein stabiler Faktor geworden“, stellte der Kreisvorsitzende Jonny Griese fest. Es sei positiv, dass die SPD zugewonnen habe: „Es ist erfreulich, dass soziale Standards demnach nicht weiter abgebaut werden.“ Ein Rechtsruck sei in Deutschland auch nicht zu befürchten, war der Kommentar zum Abschneiden der Rechten.

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erstellt am 26.Mai.2014 | 06:00 Uhr

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