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Theater : Klassisches Konzert bot Stoff für Diskussionen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Das Minguet-Quartett spielte Stücke von Mozart, Mendelssohn Bartholdy und Wolfgang Rihm

shz.de von
erstellt am 26.Nov.2014 | 11:00 Uhr

Neumünster | „War das Musik?“ „Das klang doch nicht wie Mozart!“ Bereits zur Pause gab es reichlich Gesprächsstoff im Theater. Diejenigen, die dafür gesorgt hatten, waren: Ulrich Isfort (1. Violine), Annette Reisinger (2. Violine), Aroa Sorin (Viola) und Matthias Diener (Violoncello). Gemeinsam sind sie das Minguet-Quartett. Am Montagabend gastierte die Kölner Formation im Rahmen der Abonnementkonzerte vor 350 Besuchern in der Stadthalle.

„Wir freuen uns sehr, mit dem Minguet-Quartett Künstler nach Neumünster holen zu können, die zu den international gefragtesten Streichquartetten der jungen Generation gehören“, sagte Sünne Höhn vom Kulturturbüro.

Zum Repertoire der vier Musiker gehört neben klassischen Werken auch zeitgenössische Musik. Letztere erlebte das Publikum am Beispiel des 1980/81 entstandenen „4. Streichquartetts“ von Wolfgang Rihm. Ein Werk voller Kraft, Leidenschaft und Emotionalität, das bereits in seiner Struktur von Altgewohntem abweicht. Auf zwei schnelle Sätze folgt ein langsamer Abgesang. Und zwischendrin: jede Menge ungewöhnlicher Töne, kraftvolle Unisono-Passagen sowie moderne Spieltechniken inklusive dissonanter Akkorde und extrem hoher Lagen. Allesamt mit viel Spielfreude von den großartigen Instrumentalisten interpretiert.

Kalt lassen konnte einen diese Musik nicht. Ebenso wenig, wie das „Streichquartett d-Moll KV 421“ von Wolfgang Amadeus Mozart. Für den düsteren Mollton gab es einen konkreten Anlass: Die Entbindung seiner Frau Constanze von ihrem ersten Kind. Während Constanze in den Wehen lag, notierte Mozart die Noten. Mit sanften Tönen durchbrochen von wilden Stakkati arbeitete das Minguet-Quartett die Ausnahmesituation heraus und unterstrich gleichzeitig seinen unbedingten Willen zur Moderne.

Mit großer Aufmerksamkeit verfolgte das Publikum die erste Hälfte des Konzertes, um dann in der Pause umso hitziger zu diskutieren. Manche vermissten die „melodische Leichtigkeit eines Mozarts, wie man ihn kennt“, anderen erschloss sich das Werk Rihms nicht als „schöne“ Musik und wieder andere waren begeistert. „Ich bin total fasziniert von der Spieltechnik der Streicher“, meinte Marvin Stamm (17). Gemeinsam mit seinen Klassenkameraden und Musiklehrer Stephan Naumann war der IKS-Oberstufenschüler ins Konzert gekommen, „um klassische Musik einmal live zu erleben“.

Nach der Pause gab es – sehr zur Freude vieler Besucher – Felix Mendelssohn Bartholdy. Mit dem „Streichquartett op. 80 f-Moll“ bewiesen die Kölner Streicher einmal mehr ihre exzellenten Fähigkeiten und ihr Gespür für ein gutes Programm. Denn auch Mendelssohn, wie vorher Mozart, verarbeitete mit seinem Streichquartett eine schwierige Lebenssituation: Den Tod seiner geliebten Schwester Fanny. Solche Informationen und ein paar erklärende Worte zum Werke Rihms hätte man sich von den Musikern gewünscht. Schließlich haben sie sich nach dem spanischen Philosophen Pablo Minguet benannt, der mit seinen Schriften „dem breiten Volk Zugang zu den schönen Künsten verschaffen wollte“.

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