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Vicelinkirche : Klagelieder sorgten für ergreifende Momente

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

100 Besucher in der Vicelinkirche waren tief beeindruckt.

Neumünster | Nicole Ferrein strahlte. Über anderthalb Stunden hatte sie als Solistin „Die Lamentationen des Jeremia zu Karfreitag“ in der Vertonung des belgischen Barockkomponisten Hector Fiocco gesungen, doch von Erschöpfung keine Spur. Im Gegenteil. „So ergreifend! So schön! Ich könnte die Klagelieder gleich noch einmal singen“. Geradezu beseelt schien die Kölner Sopranistin von Musik und Text der Klagelieder zu sein.

Und nicht nur sie. Auch die 100 Besucher in der Vicelinkirche waren tief beeindruckt. „Wir danken Ihnen für die ergreifende Stimmung“, wandten sie sich nach dem Konzert an Kantor Karsten Lüdtke.

Die Lamentionen des Jeremia, in denen der Prophet die Zerstörung Jerusalems beklagt, sind zu einem festen Bestandteil der Kartage geworden, gelten sie doch als alttestamentarisches Pendant zur Klage über den Tod Jesu. Da Hector Fiocco seiner Komposition den lateinischen Text zugrunde legte, stellte Lektor Manfred Scheuer den lateinisch gesungenen Texten deren deutsche Übersetzung voran.

Das gesprochene Wort ließ die Besucher an der Geschichte teilhaben, Nicole Ferreins Gesang brachte ihnen aufs eindrucksvollste die Trauer um die zerstörte Stadt nah. In ihrem nuancierten Vortrag setzte sie das Vibrato äußerst bewusst ein und konnte ihren Ausdruck entsprechend der Geschichte in den drei Lesungen wunderbar steigern.

Unterstützt wurde die Sängerin von den beiden Cellisten Leonhard Bartussek und Ulrike Schaar. Auf ihren Barockinstrumenten gelang den Streichern eine sonore Stimmung, die im Zusammenklang mit dem Orgelpositiv, gespielt von Karsten Lüdtke, im schönen Kontrast zur hellen Sopranstimme Nicole Ferreins stand.

Lüdtke verantwortete nicht nur die Begleitung auf dem Orgelpositiv, er rahmte zudem die Klagelieder des Jeremia mit zwei Orgelwerken von Johann Sebastian Bach ein. Beim ersten Stück, der Choralbearbeitung zu „O Lamm Gottes, unschuldig“ gelang ihm eine besonders schöne, sich steigernde Registrierung. Im Praeludium h-moll am Ende des Konzertes stellte der Organist mit vollem Klang und schroffem Schluss sehr souverän die musikalische Kreuzesmotivik des Stückes dar.

Und dieser Schluss war umso eindrucksvoller, da der Kirchenraum zu diesem Zeitpunkt in völliger Dunkelheit lag. Denn nicht nur der Vortrag der Klagelieder wurde zu einer festen Institution, auch das sukzessive Löschen der Kerzen, die den Kirchenraum erhellen, bildete sich im Laufe der Zeit als eine rituelle Handlung heraus.

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erstellt am 07.Apr.2015 | 06:30 Uhr

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