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Längere Betreuungszeiten : Kita-Plätze bis in die Nachtstunden

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Über ein Bundesprogramm werden weitere Kapazitäten für umfangreiche Betreuung geschaffen. Die Eltern sind meist in der Pflege und dem Einzelhandel tätig.

Neumünster | Der Bedarf ist da. Immer mehr Eltern müssen auch außerhalb der Kernzeiten von Kindertagesstätten arbeiten. Darauf haben bereits einige Einrichtungen in Neumünster reagiert. Zwei Kitas, eine Krippe sowie eine Kindertagespflegeeinrichtung nehmen bereits seit September 2016 am Bundesprogramm „Kita plus“ teil und öffnen schon weit vor den regulären Zeiten (der Courier berichtete). Zum Teil können die Kleinen sogar übernachten oder am Wochenende betreut werden. Zum neuen Kindergartenjahr ab Sommer sollen die 19 bereits belegten Plätze noch einmal auf insgesamt 40 aufgestockt werden.

Eine von 115 Kitas bundesweit, die an dem Programm teilnimmt, ist die evangelische Kindertagesstätte Ruthenberger Rasselbande. Hier werden insgesamt 124 Kinder im Alter von 1 bis 14 Jahren betreut. Fünf Kinder sind bisher über „Kita plus“ dabei. Dafür wurden die Öffnungszeiten von ehemals 7 bis 16.30 Uhr auf 6 bis 21 Uhr erweitert. Ab Sommer soll es hier 15 dieser zeitversetzten Plätze geben. In der städtischen Kita Schuberstraße (152 Kinder zwischen 1 und 14 Jahren) gibt es derzeit 5 „Kita-Plus“-Plätze. Von 6 bis 22 Uhr ist eine Betreuung möglich. Ab Sommer sollen fünf weitere Plätze dazu kommen. Die Diakonie-Krippe Kleine Fische (20 Kinder von 10 Monaten bis 3 Jahren) hat momentan 4 Plätze aus dem „Kita plus“-Programm. Hier können bei Bedarf Mädchen und Jungen ab 5 Uhr gebracht werden. Um 22 Uhr ist der spätestes Abholtermin. Möglich wäre auch Wochenendbetreuung. Ab Sommer werden hier zehn Kinder über „Kita plus“ die Einrichtung besuchen. Hinzu kommen noch die Kindertagespflege Königskinder aus der Innenstadt. Hier gibt es insgesamt 5 „Kita-plus“-Plätze – auch Übernachtungen sind möglich.

„Der Bedarf ist auf jeden Fall da.“ Diese Rückmeldung haben Tanja Dittmann, Leiterin der Kita Schubertstraße, Dietrich Mohr, Leiter der Rasselbande, und Lena Lindner, Leiterin der Kleinen Fische, und Beate Eckhardt vom Fachdienst Frühkindliche Bildung der Stadt von vielen Eltern bekommen. In die Kita Schuberstraße geht zum Beispiel ein kleines Mädchen (2), dessen Mutter in einem Supermarkt arbeitet. Die Frau muss je nach Schicht oft recht kurzfristig ihr Kind mal von 6 bis 14.30 Uhr oder von 12 bis 20.30 Uhr in der Kita lassen. Dort gibt es dann ein möglichst familienähnliches Programm. Abends wird mal gemeinsam gekocht, vorgelesen oder ein Film angeschaut.

Auch Mütter und Väter von jüngeren Schulkindern sind sehr interessiert an „Kita plus“. Meist sind sie in der Pflege oder im Einzelhandel tätig und brauchen die erweiterten Zeiten dringend. Iris Meyer, Geschäftsführerin der Wirtschaftsagentur, weiß auch aus vielen Unternehmen von Elternwünschen nach flexibler, verlässlicher Betreuung. Unter Dreijährige dürfen maximal 9 Stunden am Tag (45 Stunden pro Woche) betreut werden, ältere Kinder 10 Stunden am Tag (50 Stunden pro Woche).

Die Erweiterung der Zeiten wird bis Ende 2018 zu 95 Prozent vom Bund gefördert. Jede Kita konnte dafür Stellen schaffen und die Ausstattung anpassen. Auch die Anschlussfinanzierung wurde per Ratsbeschluss bereits gesichert.

>Wer einen der 21 neuen „Kita-Plus“-Plätze benötigt, sollte sich schnell mit den Einrichtungen in Verbindung setzen: Rasselbande, Tel. 22554; Kita Schubertstraße, Tel. 250123; Kleine Fische, Tel. 43282; Königskinder, Tel. 01516/2497375.

 

Kommentar: Es ist  nur die zweitbeste Lösung

Ja, die „Kita plus“-Kinder fühlen sich sehr wohl in ihrer Kita – auch morgens ganz  früh und abends spät. Sie lieben die oft sehr individuelle Betreuung durch die Erzieher, wenn die anderen Kinder eben noch nicht oder längst nicht mehr vor Ort sind. Und auch für viele Eltern – gerade für Alleinerziehende – ist das „Kita plus“-Angebot eine große Erleichterung. Denn sie müssen nicht mehr bei Familie, Freunden oder Nachbarn um die Betreuung für den Nachwuchs betteln und ihn quasi herumreichen. Und trotzdem ist die erweiterte Betreuungszeit eigentlich nur die zweitbeste Lösung. Wünschenswert wäre es, wenn  möglichst viele Arbeitgeber den Eltern kleinerer Kinder familienfreundliche Schichten ermöglichen  könnten.      Gerechnet auf ein komplettes Arbeitsleben sind das ohnehin nur wenige Jahre.  (mor)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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erstellt am 28.Feb.2017 | 08:00 Uhr

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