Kirschwächter

von
14. Juli 2015, 12:34 Uhr

Stimmt, Hein Tüt war anfangs nicht sonderlich begeistert, als das Elsterpärchen ausgerechnet die große Birke im Tütschen Garten als Hochzeitsbaum auserkor. Heimlich torpedierte er zunächst sogar die Versuche der rüden Kreischer, in den Baumwipfeln wild hingeworfene Zweige zu einer Art Nest aufzutürmen. Aber alles Knallen, Klatschen und Gerassel unter dem Baum hielt die Vögel nicht auf. Hein wusste natürlich genau, was kommt: Kaum war der Elsternachwuchs da, nahm nicht nur das laute Gekecker der Vögel drastisch zu, sondern auch ihr Geklecker aus luftiger Höhe. Elstern nehmen es mit der Hygiene nicht so genau – oder jedenfalls keine Rücksicht auf die Menschen, die tief unter ihnen wohnen. Deshalb ist Hein jetzt genötigt, die Terrasse unter der Birke regelmäßig mit Schrubber und Wasserschlauch von den unangenehmen schwarz-weißen Flecken zu befreien, die die Elstern dort wie Kuhfladen hinterlassen. Schon zweimal ist eine komplette Kaffeerunde von der Terrasse ins Haus geflüchtet, weil es einfach zu eklig wurde.

Und dennoch – so langsam werden Hein die Kreischer im Baumwipfel sympathisch. Denn offenbar hat ihre Anwesenheit auch einen positiven Nebeneffekt. Seit die Elstern die Lufthoheit im Tütschen Garten übernommen haben, halten sich die Amseln, die sonst um diese Zeit längst den hauseigenen Kirschbaum abgeräumt haben, spürbar zurück. Die reiche Ernte an Knobbern wird die Tüts in diesem Sommer für das Geklecker entschädigen. Und im nächsten Jahr werden die Karten im Garten dann wieder neu gemischt!

Guten Tag, bis morgen!

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