Alte Handwerkskunst in Neumünster : Kirchen tragen seine Handschrift

Antonius Alex bereitet in seinem Atelier die Restaurierung eines historische Kirchenfensters vor.
Antonius Alex bereitet in seinem Atelier die Restaurierung eines historische Kirchenfensters vor.

Antonius Alex hat sich als Glasmaler auf die Restaurierung historischer Kirchenfenster spezialisiert.

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13. Februar 2018, 08:15 Uhr

Neumünster | In einer Serie stellt der Courier alte Handwerkskunst aus Neumünster vor. Heute: Glasmaler Antonius Alex. Der 65-Jährige hat sein Atelier an der Esplanade 20.

„Den Meistertitel benötigt man heute nicht mehr“, sagt Alex, der sein Metier in Telgte im Münsterland gelernt hat. „Wo ein Bischofssitz ist, gibt es auch eine Glasmalwerkstatt in der Nähe“, sagt Alex. Diese Symbiose gebe es, seit es Kirche gibt. Auch Antonius Alex hat sich auf die Arbeit an historischen Kirchenfenstern spezialisiert und schon mehrfach die Glasmalereifenster der Anscharkirche restauriert.

„Die Kirche stammt aus dem Jahr 1913. Die Fenster wurden aber wie der Kirchturm bei den Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg zerstört“, sagt Alex. 1951 wurden sie erneuert, doch jetzt ist eine Generalüberholung fällig. Das Glas ist zwar zum größten Teil noch intakt, aber die Bleiruten müssen ersetzt werden. So bezeichnet man die Verknüpfung aus Bleiprofilen, die ineinander gesteckt und dann verlötet werden. „Anschließend müssen sie noch verkittet werden, damit die Scheiben nicht klappern und keine Feuchtigkeit eindringen kann. Der ausgehärtete Kitt verleiht zusätzlich Stabilität“, so Alex.

Der Glasmaler restauriert nicht nur Kirchenfenster, sondern erledigt auch Privataufträge und fertigt auch Kunst am Bau – „viel mit dem vor Kurzem verstorbenen Künstler Uwe Bangert. Von ihm stammt etwa das Fenster im Trausaal des alten Rathauses“, sagt Antonius Alex.

Er arbeitet ausschließlich mit mundgeblasenen Gläsern sowie mit sogenannten Tischkathedralgläsern. Bei ihnen wird die Glasmasse auf eine heiße Eisenplatte gegossen. Eine Oberfläche ist dadurch glatt, die andere, die auf der Platte liegt, rau. Ihre Farbe erhalten die Glasscheiben durch einen Überzug aus Eisenoxid-Pigmenten, vermischt mit Gummiarabicum als Bindemittel und Essig als Haftmittel. Die Scheiben werden dann bei 630 Grad im Ofen gebrannt. „Die Oberfläche des Glases raut sich auf, die Farbe dringt ein. Beim Abkühlen schließt sich das Glas, und die Farbe ist fest verbunden“, erklärt Antonius Alex den Fertigungsprozess.

Früher sei das eine sehr giftige Angelegenheit gewesen. Alex: „Die Pigmente enthielten viel Blei, das als Staub die Lunge schädigte. Schwangere durften damit nicht arbeiten.“ Heute gebe es aber Alternativen zu bleihaltigen Farben. „Es heißt übrigens nicht Glas schneiden“, räumt der Experte auch gleich noch mit einem populären Irrtum auf: „Man ritzt das Glas nur an und bricht es dann an dieser Sollbruchstelle.“

Glasmaler ist auch heute noch ein Ausbildungsberuf, aber eher im Süden verbreitet. Die Schule ist in Hadamar in Hessen.

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