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Heiligabend-Geschichte : Kinderwünsche wahr werden lassen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Ursula Schimek verdient mit einem Ein-Euro-Job bei der Tafel nicht viel / Für Geschenke verzichtet sie selbst gern

shz.de von
erstellt am 24.Dez.2013 | 08:00 Uhr

Ursula Schimek (33) ist eine starke Frau. Sie hat es nicht immer leicht, muss den Euro zweimal umdrehen, aber für ihre Kinder tut sie alles. Heute am Heiligen Abend gibt es in der Wohnung im Vicelinviertel einen Tannenbaum, und als Weihnachtsmahl serviert Ursula Schimek ihrer Familie Pute und Rotkohl. „Weihnachten ist für die Kinder. Was sie sich wünschen, ist wichtig, auch wenn es nur ein Geschenk für jeden gibt“, sagt sie. Die alleinerziehende Mutter von drei Kindern war schon einmal ehrenamtliche Mitarbeiterin bei der Tafel, heute ist sie dort Ein-Euro-Jobberin. Trotzdem lässt sie die Wünsche ihrer Kinder wahr werden – und verzichtet dafür lieber auf Dinge für sich selbst.

Zur Tafel kam sie über ihre Mutter Ellen, die einen ähnlichen Weg ging wie sie und sich dort engagierte. Ursula Schimek ist gelernte Verkäuferin, arbeitete schon im Lebensmittelbereich und verkaufte Damenbekleidung, nahm immer wieder befristete Jobs an, weil sie unbedingt arbeiten wollte. „Bevor ich gar nichts mache, habe ich diesen Job angenommen. Zu Hause herumsitzen, das liegt mir nicht. Als alleinerziehende Mutter ist es aber schwer, etwas zu bekommen. Die Arbeitgeber sagen mir, dass es nicht an meiner Leistung liegt, sondern daran, dass ich nicht flexibel bin.“ Das kränke sie schon: „Ich möchte meine Kinder nicht abschieben, ich möchte etwas von ihnen haben und für sie da sein.“

Ihre Kinder sind sieben, neun und zwölf Jahre alt und haben schon etwas größere Weihnachtswünsche. Finanziell sind solche Anschaffungen nicht drin – zumal es auch Markenware sein soll. „Dieser Markenzwang fängt schon in der Schule an“, sagt Ursula Schimek.

Ihr Gehalt plus das Kindergeld – das ist nicht viel, zumal der Vater der Kinder keinen Unterhalt zahlt. Einmal im Monat macht Ursula Schimek den Großeinkauf, etwa 250 Euro, schätzt sie. Wichtig ist ihr die gesunde Ernährung der Kinder; da war es gut, dass sie über ihre Mutter bei der Tafel frisches Obst und Gemüse beziehen konnte: „Gerade in den Wintermonaten ist das nötig, und die Kinder essen gern frische Gurken oder Paprika.“ Sie habe aber nie bei der Tafel angestanden, betont sie. „Ich habe mir gesagt, dass es Leute gibt, die es nötiger brauchen als ich“, sagt sie bescheiden.

Ihr Arbeitstag bei der Tafel fängt um 9 Uhr an. Zuständig ist sie für die Touren zu den vier bis acht Lebensmittelmärkten. Sie sichtet die von den Märkten aussortierten Lebensmittel, und in der Tafel hilft sie bei der Ausgabe, auch an der zu Weihnachten vor ein paar Tagen. Diesen besonderen Nachmittag erlebte die Tafelmitarbeiterin als Mutter mit einer Mischung aus Freude und Nachdenklichkeit. Vor allem die Bescherung der Kinder lässt sie grübeln. Sie erzählt von einer Zehnjährigen, die sich über den Wunschbaum etwas Selbstverständliches gewünscht hatte: „Die hat sich gefreut und gerufen: Mama, ich hab’ Schuhe!“ Viele Kinder hätten sich auch Jacken oder Winterstiefel gewünscht. Ursula Schimek: „Es ist manchmal schon traurig, denn solche Dinge müssten eigentlich da sein.“

Ihre eigenen Kinder sollen unter den schmalen Verhältnissen nicht leiden. Dafür steckt sie selber zurück, achtet lieber darauf, dass alle ihr Schulbrot bekommen oder im Sommer mal einen Besuch im Freibad. „Ich sage meinen Kindern aber auch, dass sie lernen müssen, was die Dinge wert sind, dass es wichtig ist, in die Schule zu gehen und eine ordentliche Ausbildung zu machen.“

Alle Kinder bekommen das, was sie sich am meisten wünschen, sagt sie lächelnd: „Wenn meine Kinder glücklich sind, bin ich es auch.“ Das gilt nicht nur heute, am Heiligen Abend. Aber heute ganz besonders.

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