Kita-Reform in Schleswig-Holstein : Kindertagespflege in Neumünster vor dem Aus?

shz+ Logo
Sie fordern endlich Planungssicherheit: Birgit Kasimir, Vorsitzende des Vereins „Quaki“ (rechts), und Vorstandsmitglied Gesa Andersen lieben ihren Job, wissen aber nicht, ob und wie es mit der Kindertagespflege in Neumünster weitergeht.
Sie fordern endlich Planungssicherheit: Birgit Kasimir, Vorsitzende des Vereins „Quaki“ (rechts), und Vorstandsmitglied Gesa Andersen lieben ihren Job, wissen aber nicht, ob und wie es mit der Kindertagespflege in Neumünster weitergeht.

Verein „Quaki“ wirft der Stadt im Streit um Bezahlung und Urlaub Hinhaltetaktik vor und prophezeit den Abzug von Pflegepersonen.

Exklusiv für
shz+ Nutzer
shz+ Logo

Avatar_shz von
10. Juli 2019, 13:57 Uhr

Neumünster | Der Stadt droht eine Klagewelle von Eltern, die ab dem kommenden Jahr keinen Betreuungsplatz für ihr Kind finden. Grund ist die geplante Reform der Kindertagesstätten. Das Landes-Gesetz ist derzeit in der Anhörungsphase. Gegen den Entwurf, aber auch gegen das Verhalten der Stadt protestiert nun der Verein Qualifizierende Kindertagespflege Neumünster (Quaki), dem über 40 der 86 Kindertagespflegepersonen angehören. Sollten ihre Forderungen nicht umgesetzt werden, würden bis zu 30 Prozent der Pflegepersonen aufgeben müssen, prophezeien die Vorsitzende Birgit Kasimir und Gesa Andersen vom Vorstand. Das Betreuungssystem würde dann zusammenbrechen, weil Eltern einen Rechtsanspruch auf Betreuung haben.

Fortsetzung des Verdienstausfalls unklar

„Wir haben schon eine Petition ans Land verfasst, erwarten aber endlich auch Zusagen der Stadt, von der wir uns hingehalten fühlen“, erklärt Birgit Kasimir. Konkret gehe es um die Übernahme der Kosten für 30 Tage betreuungsfreie Zeit, mit der Urlaub und Krankheit ausgeglichen werden. Die Stadt zahlt nach Angaben der Vorsitzenden bisher den Verdienstausfall für die selbstständig arbeitenden Betreuer. „Diese Zusicherung ist notwendig, sonst ist das unternehmerische Risiko zu hoch“, sagt auch Gesa Andersen. Zudem solle es erlaubt werden, dass Kindertagespfleger sich an einem Ort zusammenschließen. Das ist bisher verboten. Sie betont:

Wir sind flexibler, individueller und deutlich günstiger als Kindertagesstätten. Deshalb braucht die Stadt uns. Gesa Andersen
 

Jörg Asmussen, Fachdienstleiter Frühkindliche Bildung, schiebt den Schwarzen Peter dem Land zu: „Erst wenn das Gesetz beschlossen ist, können wir schauen, wie wir die Umsetzung partnerschaftlich gestalten“, sagt er. Dafür benötige die Stadt dann auch die Selbstverwaltung. Ihm sei bewusst, dass nicht viel Zeit bleibe. „Deshalb hoffen wir alle, dass eine Entscheidung nun schnell fällt.“

Das ist angesichts der Kritik, die sich laut Birgit Kasimir landesweit unter den über 4000 Kindertages-Pflegern formiert, fraglich. Widerstand gibt es gegen folgende Punkte:

  • Bezahlung:

Künftig sollen laut „Quaki“ Eltern nur noch tagesaktuell bezahlen müssen, wenn ihr Kind auch tatsächlich betreut wird. Bei Krankheit oder Urlaub von Kindern oder Pflegern gibt es dann kein Geld. Eine Erhöhung der Gebühren sei ausgeschlossen, da diese festgeschrieben seien.

  • Kündigungsfrist:

Bisher muss vier Wochen vorher zum Monatsende der Vertrag gekündigt werden. Das stehe vor dem Aus. Damit gebe es keine Planungssicherheit mehr.

  • Qualität:

Kindertagespflege und ihre Anforderungen seien zu unklar definiert. Die Qualität könne darunter leiden. Wie Fortbildungen aussehen, stehe nicht fest.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen