Neumünster : Kinderschutzbund: 137 000 Euro für integratives Näh-Projekt

Samah Moustafa näht regelmäßig im Elterngarten.
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Samah Moustafa näht regelmäßig im Elterngarten.

Das Projekt „Gesprächsstoff“ vom Kinderschutzbund wird von der Deutschen Fernsehlotterie gefördert.

shz.de von
30. Januar 2018, 14:14 Uhr

Das Konzept des Projektes „Gesprächsstoff“ vom Kinderschutzbund Neumünster ist so simpel wie erfolgreich: Über gemeinsame Handarbeit die deutsche Sprache lernen und damit zur Integration beitragen. Die Deutsche Fernsehlotterie fördert ab sofort das Projekt über drei Jahre mit insgesamt 137000 Euro.

„Das entlastet uns sehr“, freut sich Till Pfaff, Geschäftsführer Kinderschutzbundes. Bislang habe man sich über Spenden, Stiftungsgelder und einen Zuschuss der Stadt finanziert. Mit der Förderung könne man nun 80 Prozent der Kosten zahlen. Der Rest werde weiter über Spenden bestritten.

Auf die Idee zum Projekt kamen vor genau einem Jahr die Pädagogin Maike Petersen und die Sozialarbeiterin Nadine Kirchner. „Wir wollten etwas für die Integration von traumatisierten Flüchtlingen tun, das auch einen Sinn hat“, sagt Maike Petersen. Da die beiden Mitarbeiter des Kinderschutzbundes leidenschaftlich gern nähen, war die Idee schnell geboren.

Mittlerweile kommen insgesamt 30 Frauen aus Syrien, Afrika, Russland oder dem Irak in den Elterngarten im Fürsthof und nähen zweimal in der Woche gemeinsam aus bunten Stoffen kreative Taschen, Kissen oder Wimpel. „Die fünf Nähmaschinen konnten wir dank Spendengeldern anschaffen und auch die Stoffe bekommen wir geschenkt“, erklärt Nadine Kirchner. Eine von ihnen ist Samah Moustafa. Vor zehn Jahren kam sie aus Ägypten nach Deutschland und näht fast seit Beginn der Gruppe fleißig Tragetaschen mit pfiffigen Accessoires.

„Wir hatten zu Beginn eine Syrerin im Kursus, die fast gar kein Deutsch konnte. Jetzt ist sie soweit, dass sie sich selbst ehrenamtlich in der Stadt engagiert und sogar einer anderer Syrerin, die neu in die Gruppe kam, durch Übersetzungen helfen konnte“, erzählt Nadine Kirchner. Die beiden Frauen stehen nicht nur für Fachfragen zum Nähen zur Verfügung, sondern betreuen auch die Kinder, die die Frauen mitbringen. „Das kann ganz schön stressig werden, wenn das Haus voll ist, deswegen hätten wir gern eine weitere Stelle für das Projekt, die die Kinderbetreuung übernimmt“, sagt Maike Petersen.

Außerdem plane man mittelfristig, das Angebot dreimal statt nur zweimal in der Woche anzubieten, „um den Frauen mehr Flexibilität zu bieten, wenn die Gruppen-Termine mit Sprachkursen kollidieren.“

Am 8. Februar werden die Frauen ausgewählte Handarbeiten im Museum Tuch und Technik ausstellen.

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