Gericht : Kinderpornos: Bewährung für Kommunalpolitiker

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Amtsgericht verurteilt 59-jährigen Familienvater zu 9 Monaten Haft auf Bewährung.

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23. Januar 2018, 13:33 Uhr

Wegen Besitzes und Verbreitung kinderpornografischer Videos ist ein 59-jähriger Familienvater aus dem Raum Segeberg gestern vom Amtsgericht zu neun Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Außerdem muss der Mann, der in seiner Heimatgemeinde als Kommunalpolitiker ehrenamtlich aktiv ist, 1000 Euro als Buße an den Kinderschutzbund zahlen.

Bei einer Hausdurchsuchung vor zwei Jahren hatte die Kripo umfangreiche Filmdateien auf dem PC des Mannes entdeckt, in denen Kinder, teilweise noch im Babyalter, gequält und sexuell schwer missbraucht werden.

Der Mann räumte vor Gericht zwar den Besitz der Pornos ein, bestritt aber, genau gewusst zu haben, was auf den bis zu 17 Minuten langen Gewaltpornos abgebildet wird. Er fühle sich sexuell zu älteren Frauen hingezogen, habe im Internet auch nach einschlägigen Pornos geschaut, aber niemals nach kinderpornografischen Inhalten gesucht, sagte der Mann: „Ich bin Familienvater, ich verabscheue diese Gewaltvideos“, beteuerte er wiederholt. Die Videos könnten nur versehentlich mit anderen Dateien auf seinem PC gelandet sein, verteidigte sich der Angeklagte.

Staatsanwältin und Richterin mochten das nicht glauben und stützten sich stattdessen auf die Aussagen eines Computerexperten der Kripo. Der beschrieb, dass bei der Auswertung des Computers auch einschlägige Schlüsselworte gefunden wurden, mit denen Täter im Internet nach entsprechenden Filmen suchen.

Auch die Beteuerungen des Mannes, ihm sei nicht bewusst gewesen, dass er mit seinem Download-Programm zur weiteren Verbreitung der illegalen Pornos beigetragen habe, mochte das Gericht nicht glauben.

Zum Herunterladen der Pornos hatte der Familienvater eine Plattform zum File-Sharing (Datenteilen) genutzt. Bei dieser Form des Downloads werden die Dateien in kleine Bruchstücke zerlegt und mit Hilfe fremder Computer auf dem heimischen PC wieder zusammengesetzt. Zugleich stellt der Nutzer dabei seinerseits den eigenen Computer zum Download zur Verfügung.

Der Computerexperte der Kripo wies nach, dass der Angeklagte sehr wohl am Bildschirm verfolgen konnte, wie andere Nutzer sich bei seinen Dateien bedienten.

Das Geständnis und die offene Reue des bislang unbescholtenen 59-jährigen Familienvaters wertete die Richterin als strafmindernd, als strafverschärfend dagegen die Brutalität der sichergestellten Kinderpornos: „Es ging hier nicht nur um ein paar Lolita-Bilder – obwohl auch die bereits zu Recht strafbar sind“, sagte sie in ihrer Urteilsbegründung.

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