Gericht : Kinderpornos aus Versehen geladen?

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59-jähriger Familienvater aus dem Kreis Segeberg will verbotene Videos nie gesehen haben: „Ich bin kein Pädophiler!“

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21. Januar 2018, 13:02 Uhr

Ein 59-jähriger Familienvater aus dem Raum Segeberg muss sich seit gestern vor dem Schöffengericht wegen Besitzes und Verbreitung kinderpornografischer Videos verantworten.

Die Polizei hatte bei einer Wohnungsdurchsuchung Ende 2016 auf dem Computer des Mannes umfangreiches verbotenes Filmmaterial entdeckt. Auf den Filmen ist zu sehen, wie Kinder – mal von einer jungen Frau, mal von einem Mann – geknebelt, geschlagen und sexuell missbraucht werden. Teils seien die dort gezeigten Kinder unter drei Jahre alt, führte die Staatsanwältin in der Anklage aus.

Angesichts der klaren Beweislage räumte der Mann die Downloads zwar ein, bestritt aber vehement, gewusst zu haben, was konkret auf den gesammelten Filmen zu sehen war. Er habe sich vielmehr zeitlebens zu älteren Frauen hingezogen gefühlt, im Internet auch nach entsprechenden Pornos geschaut, niemals aber gezielt nach Kinderpornografie gesucht, versicherte er.

Wenn sich Kinderpornos auf seinem PC befunden haben, könnten die nur zufällig mit heruntergeladen worden sein, da er häufiger ganze Listen en bloc angeklickt habe: „Ich habe Mist gemacht, aber ich bin kein Pädophiler“, beteuerte er wiederholt.

Tatsächlich konnte auch eine Computer-Expertin der Kripo gestern nicht mit Sicherheit sagen, ob der Angeklagte gezielt einschlägige Suchbegriffe für die verbotenen Pornos auf seinem PC eingegeben hat. Zwar fanden sich auf seinem Computer einschlägige Schlüsselworte wieder, die Expertin wollte aber nicht ausschließen, dass diese Begriffe durch bestimmte Programme selbstständig als Suchbegriffe „vorgeschlagen“ werden.

Die sichergestellten Videos waren, wie die Kripo nachweisen konnte, im Internet von einer speziellen Plattform zum File-Sharing (Datenteilen) heruntergeladen worden. Bei dieser Form des Downloads werden die Dateien (Files) in kleine Bruchstücke zerlegt und mit Hilfe fremder Computer auf dem heimischen PC wieder zusammengesetzt. Zugleich stellt der Nutzer dabei den eigenen Computer zum Download zur Verfügung: Täte er das auch, um Kinderpornos weiter zu verbreiten, wäre das strafverschärfend.

Wusste er, dass er die Kinderpornos weiterverbreitete? Handelte er vorsätzlich? Auch dazu konnte die geladene Kripobeamtin wenig aussagen. Um Klarheit zu erhalten, will das Gericht einen weiteren Technik-Experten der Kripo vorladen. Der Prozess wurde unterbrochen.

Dies zum Unwillen des Angeklagten, der das Prozessende herbeisehnt und um seinen Ruf fürchtet: Der 59-Jährige ist in seinem Heimatort kommunalpolitisch aktiv: „Seit das rausgekommen ist, habe ich keine ruhige Minute mehr!“

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