Kita Gartenstadt in Neumünster : Kinder schikaniert? Mitarbeiter entlassen

In der Kita Gartenstadt sind zwei Mitarbeiterinnen offenbar auch handgreiflich gegenüber den Kindern gewesen.
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In der Kita Gartenstadt sind zwei Mitarbeiterinnen offenbar auch handgreiflich gegenüber den Kindern gewesen.

An der Virchowstraße soll es über Monate zu Demütigungen gegenüber Kleinkindern gekommen sein. Die Stadt will eine Ombudsperson einsetzen.

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29. März 2017, 08:00 Uhr

Neumünster | Wurden Krippenkinder auf die Hand oder auf den Po geschlagen, wenn sie nicht das machten, was sie sollten? Wurden sie sogar im Klo eingesperrt, wenn sie ihren Apfel nicht aufaßen? Wurde den Kleinen mit Gewalt gedroht, wenn sie nicht aufräumten? Zwei Mitarbeiterinnen der städtischen Kita Gartenstadt an der Virchowstraße haben nach Courier-Informationen offenbar über Monate hinweg einzelne Krippenkinder einer Gruppe schikaniert und gedemütigt. „Die beiden wurden sofort suspendiert und mittlerweile gekündigt. Beide haben nicht gemäß den pädagogischen, konzeptionellen und gesetzlichen Vorgaben gehandelt“, erklärt Stadtsprecher Stephan Beitz.

Die Einhalb- bis Dreijährigen wurden offenbar zum Teil angeschrien, in einigen Fällen auch körperlich hart von den beiden Frauen angefasst oder mussten laut einiger Eltern, die nicht namentlich genannt werden wollen, zur Strafe alleine in bestimmten Räumen ausharren. Die Stadt will sich im laufenden Rechtsverfahren nicht äußern, hat in der vertraulichen Personalangelegenheit eine Nachrichtensperre verhängt. Eingeschaltet ist nach Courier-Informationen neben den Fachdiensten Frühkindliche Bildung und Recht auch die Verwaltungsspitze.

Die Eltern der Kita wollen ihren Namen nicht in der Zeitung lesen, denn sie haben zum großen Teil Angst vor Repressalien, fürchten auch um den Platz in der Kita. Erstaunlich: Im Kreiselternbeirat sind die Vorfälle nicht bekannt. „Mir sind keine derartigen Vorkommnisse vorgetragen worden“, sagt die Kreiselternbeirats-Vorsitzende Birgit Petschner auf Nachfrage.

Aufgedeckt wurden die Missstände nach Courier-Informationen vor rund acht Wochen offenbar von der Kita-Leitung um Petra Römling-Irek selbst. Die Leiterin äußerte sich selbst nicht.

Die Stadt suspendierte nach Bekanntwerden die Mitarbeiterinnen umgehend. Der Vorwurf gegen sie: Kindeswohlgefährdung. Die Frauen durften quasi von einem Tag auf den anderen die Räume nicht mehr betreten. Die betroffenen Eltern sind anschließend laut Stadt in Einzelgesprächen über die Zustände informiert worden. Offenbar hatten zuvor auch einige Kinder zu Hause erzählt, dass sie in der Kita „gehauen“ oder „geärgert“ wurden.

In der betroffenen Krippen-Gruppe arbeiten nun zwei neue Erzieherinnen. Wie lange sie dort aushelfen, ist unklar. Die Stadt äußert sich dazu nicht. Stephan Beitz aber betont: „Hinsichtlich der Prävention arbeitet die Stadt mit allen Kita-Leitungen intensiv an der Thematik, insbesondere wie wir in derartigen Fällen an Informationen durch die Kinder oder Eltern gelangen. Hierzu wird ein Konzept vorgelegt, in dem unter anderem an den Kitas eine Ombudsperson eingerichtet werden soll, an die sich die Kinder, Eltern und Erzieher vertrauensvoll wenden können. Eindeutiges Ziel war und ist eine gewaltfreie und würdevolle Erziehung.“

Erst vor einem Jahr gab es Ärger in der Kita Wittorf. Dort wurden in einem bislang einmaligen Fall nach jahrelangem Streit die damalige Kitaleiterin, ihre Stellvertreterin und eine Gruppenleiterin versetzt (der Courier berichtete). Diese Stellen sind mittlerweile neu besetzt, die Situation dort soll sich entspannt haben.

Die Mitglieder des Jugendhilfe-Ausschusses der Stadt wurden im nichtöffentlichen Teil der gestrigen Sitzung unterrichtet. Der Courier berichtet morgen.

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