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Holsteinischer Courier

24. August 2017 | 02:01 Uhr

Strompreis : Kieler Attacke auf die SWN

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Direkter Preisvergleich soll Neumünsteraner zum Wechsel bewegen

Neumünster | Auf dem heiß umkämpften Strommarkt wird der Kampf um die Kunden offenbar immer schärfer. Erstmals seit der Liberalisierung des Strommarkts versuchen jetzt auch benachbarte Stadtwerke den Stadtwerken Neumünster (SWN) in deren Heimatmarkt die Kunden abspenstig zu machen – mit teils aggressiver Werbung.

Jüngstes Beispiel ist ein Faltblatt der Kieler Stadtwerke, das den Neumünsteraner Haushalten jetzt fast stadtweit (und im Umland) ins Haus flatterte. Darin werben die Kieler mit Sonderrabatten und Sondertarif – und ziehen einen direkten Preisvergleich zu den (teureren) SWN. Verbraucher mit einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 3500 Kilowattstunden können danach inklusive Wechselbonus über 130 Euro sparen.

Wer genau nachrechnet, kommt allerdings auf einen anderen als den ausgedruckten Betrag. Bei der Angabe des Arbeitspreises sei der Druckerei leider ein Fehler unterlaufen, entschuldigte sich gestern eine Kundenbetreuerin. Tatsächlich liegt der zu Grunde liegende Arbeitspreis der Beispielrechnung nicht bei 24,92 Cent/Kilowattstunde (kWh), sondern bei 26,92 Cent /kWh. An dem günstigeren Tarif der Kieler – ohne Bonus rund 70 Euro – gegenüber dem SWN-Tarif ändert das jedoch nichts.

Auslöser für die Werbekampagnen sind ganz offensichtlich die anstehenden Preiserhöhungen bei den Stadtwerken. Als einer der wenigen Energieversorger im Lande hatten die SWN im Januar eine Preiserhöhung für Strom angekündigt. Zum 1. März verteuert sich die Kilowattstunde um 0,84 Cent auf 27,75 Cent, der Grundpreis klettert um 1,66 Euro pro Monat auf 8,68 Euro (Bruttopreise, Premiumtarif). Unter dem Strich entspricht das einer Preisanhebung von etwa 4,8 Prozent (der Courier berichtete).

Die Stadtwerke begründen die Verteuerung vor allem mit den gestiegenen Netzentgelten, die bei den Stadtwerken inzwischen ein Viertel des Strompreises ausmachen. Kiel, das wesentlich geringere Netzkosten hat, hatte den Strompreis ähnlich wie Schleswig und Brunsbüttel dagegen zum Jahresbeginn gesenkt.

SWN-Sprecher Nikolaus Schmidt hält die Vergleichsrechnung in dem Werbeschreiben der Kieler Stadtwerke dennoch für Augenwischerei, weil die Kieler darin ihrem Spartarif den teuren SWN-Grundtarif gegenüberstellen. Mehr als 80 Prozent der SWN-Kunden zahlen ihren Strom jedoch nach dem günstigeren Premium-Tarif. Schmidt: „Da werden Äpfel mit Birnen verglichen.“

Tatsächlich schrumpft der Preisvorteil der Kieler im Vergleich zum Standardtarif der Neumünsteraner zusammen: In der Modellrechnung liegen die Kieler mit ihrem Spartarif dann nur noch mit knapp 30 Euro vorn.

 

Kommentar von Jens Bluhm

Keine Frage: Die Zeiten, in denen sich Stadtwerke in aller Ruhe zurücklehnen konnten,  weil ihre Kunden gar nicht auf die Idee kamen, über einen Anbieterwechsel  bei der Energieversorgung nachzudenken, sind vorbei. Längst sind es nicht mehr nur Internet-Freaks, die sich regelmäßig auf einschlägigen Vergleichsportalen informieren, wie teuer oder günstig „ihre“ Stadtwerke tatsächlich sind. Und dennoch haben die neuen Offerten aus Kiel oder Flensburg eine neue Qualität. Im Vergleich zu unbekannten xy-Anbietern aus aller Welt dürften sie als ungleich vertrauenswürdiger gelten. Die Bereitschaft zum Wechseln dürfte  steigen. Die SWN müssen sich warm anziehen.

 

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erstellt am 26.Feb.2015 | 06:30 Uhr

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