Strassensperrung : Kiek In plant Klage gegen die Stadt

Des einen Freud, des anderen Leid: Die Anwohner Udo und Gertrud Ludwig (von links), Uwe Loeck und Gudrun Bernhardt freuen sich über die flexiblen Poller, wünschen sich sogar eine komplette Sperrung. Im Kiek In (hinten) ist man dagegen sauer.
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Des einen Freud, des anderen Leid: Die Anwohner Udo und Gertrud Ludwig (von links), Uwe Loeck und Gudrun Bernhardt freuen sich über die flexiblen Poller, wünschen sich sogar eine komplette Sperrung. Im Kiek In (hinten) ist man dagegen sauer.

Verkehrsaufsicht sperrte einfach die Franz-Rohwer-Straße. Anwohner wollen jetzt auch noch eine Sperrung des Mühlenhofs erreichen.

shz.de von
18. Mai 2015, 05:30 Uhr

Neumünster | Der Kiek-In-Chef Guido Lisges ist stinksauer, und zwar auf die Verwaltung im Rathaus. Bereits im Februar hatten Mitarbeiter der Stadt mit einem Verbotsschild die Franz-Rohwer-Straße hinter dem Kiek In komplett für den Verkehr gesperrt. Wenig später folgten dann Poller und Betonbrocken, die unmittelbar an der Grundstücksgrenze oder sogar auf dem Gelände des Kiek In aufgestellt wurden. Seitdem können weder Busse noch Handwerkerfahrzeuge die Einrichtung auf dem normalen Weg erreichen. Betroffen ist davon auch das Internat der Landesberufsschulen, das Veranstaltungszentrum, das Hotel, die Volkshochschule und die Jugendherberge. „Das alles geschah ohne vorherige Ankündigung. Wir wussten von nichts“, sagt Lisges.

Das war schon nervig genug, aber nun machen auch noch Nachbarn mobil und fordern eine komplette Sperrung des Mühlenhofs für den Verkehr. Jetzt reicht es Guido Lisges und dem Verwaltungsrat des Kiek In, das eine Anstalt öffentlichen Rechts und eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Stadt ist. In einem Schreiben an die Verwaltung fordert der Vorstand das sofortige Entfernen der Poller und des Schildes. Ansonsten werde das Kiek In Schadensersatzansprüche prüfen. Lisges: „Dann gehen wir durch die Instanzen. Die gesperrte Zufahrt ist geschäftsschädigend.“ Das Kiek In solle wirtschaftlich arbeiten und verdiene auch gutes Geld, aber so könne es nicht weiter gehen.

Brisant: Das Kiek In hatte auf Bitten der Stadt im vergangenen Jahr einem Bauträger kurzfristig erlaubt, den Baustellenverkehr für den Neubau eines Mehrfamilienhauses an der Franz-Rohwer-Straße über sein Gelände zu leiten. „Man hat uns wenige Tage vor Baustart gefragt, ob das möglich ist, um die Franz-Rohwer-Straße nicht zu beschädigen. Wir haben sofort zugesagt. Und das ist jetzt der Dank“, sagt Lisges verärgert. Als nun vor kurzem die Schäden durch den Baustellenverkehr auf dem Gelände behoben wurden, konnten seine Mitarbeiter, Gäste und Lieferanten den hauseigenen Parkplatz kaum nutzen, mussten teilweise auf Behindertenparkplätze und die Straße ausweichen. „Uns fehlte ja die zweite Zufahrt. Und auf eine Anfrage, ob die Poller für die Bauzeit kurzfristig weg können, hat die Stadt nicht reagiert“, sagt Lisges.

Die Poller gefordert haben unter anderem die Anwohner Gertrud und Udo Ludwig, Gudrun und Günter Bernhardt sowie Uwe Loeck, Bewohner genau des Hauses, das im vergangenen Jahr gebaut wurde. Für sie war der Verkehr sofort ein Dorn im Auge. „Das ist eine denkmalgeschützte Straße, und sie wurde von Gästen des Kiek In sowie der benachbarten Deutschen Angestellten-Akademie und des Arbeitsgerichtes zugeparkt. In manchen Volkshochschulkursen wird sogar explizit gesagt, dass die Teilnehmer dort parken sollen“, erzählt Gertrud Ludwig. „Das absolute Parkverbot wurde missachtet und die Bäume zerstört. Dabei sind die Linden hier 150 Jahre alt. Gleichgültigkeit, Eigennutz und Unvernunft dürfen dieses selten gewordene Kleinod nicht zerstören“, pflichtet Gudrun Bernhardt ihr bei. Sie seien dankbar für die Unterstützung durch das Denkmalschutzamt und die Bauverwaltung, sagen die Anwohner. Doch ihnen geht der Schritt nicht weit genug. Das Ehepaar Ludwig sammelte sogar schon Unterschriften, damit der Mühlenhof zwischen Schützenstraße und Holsatenring für den Durchgangsverkehr komplett gesperrt wird. Im April stellten beide einen entsprechenden Antrag bei der Stadt.

Im Rathaus überlegt man seitdem offenbar, wie es weitergehen soll. Beide Seiten, das Kiek In und die Anwohner, haben Eingangsbestätigungen ihrer Schreiben erhalten, aber mehr noch nicht. „Es gibt offensichtlich ein Problem. Doch wir arbeiten an einer sachgerechten Lösung“, sagt der 1. Stadtrat Günter Humpe-Waßmuth, der auch im Verwaltungsrat des Kiek In sitzt. Die Abteilungen Verkehrsaufsicht und Tiefbau wollen in dieser Woche eine Verkehrsfahrt mit der Polizei unternehmen und dann entscheiden, ob Schild und Poller bleiben oder nicht. Das Verkehrsschild ist übrigens durch den Zusatz „Bewohner frei“ ergänzt. „Ein Zusatzschild, das es offiziell gar nicht gibt“, sagt Guido Lisges.

Kommentar von Christian Lipovsek

Hallo, jemand da?

Hallo? Wie kommt die Stadt dazu, ihrer eigenen Tochtergesellschaft ohne Vorankündigung die Zufahrt zu sperren? Im Kiek In ist man zurecht sauer. Dieses Problem hätte man besser vorab mit allen Beteiligten besprochen. Aber offensichtlich haben einzelne Abteilungen im Rathaus da ein bisschen unbedacht gehandelt. Nun muss eine schnelle Lösung her. Vielleicht kann das freie Nachbargrundstück vom Kiek In gekauft und zum Parkplatz umgebaut werden, vielleicht gibt es andere Möglichkeiten. Darüber sollte die Stadt reden: mit den Anwohnern, mit dem Kiek In, vor allem aber auch untereinander im Rathaus. Das hilft! Und dass Anwohner einer Jahrhunderte alten Straße eine komplette Sperrung fordern, ist auch ganz schön selbstbewusst.

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