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Kunstflecken : Keramik-Werke mit kreativen Botschaften

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Stadttöpferin Danijela Pivasevic-Tenner hat zum 30-jährigen Bestehen des Künstlerhauses spannende Werke von Stipendiaten zusammengestellt.

shz.de von
erstellt am 06.Sep.2017 | 08:15 Uhr

Neumünster | Mit zwei Ausstellungen wird der runde Geburtstag gefeiert: „Made in Neumünster“ und „Ton-Archiv“ heißen die Werkschauen in der Papierfabrik und der Bürgergalerie zum 30-jährigen Bestehen der Stadttöpferei. Sie zeigen die künstlerischen Spuren, die 62 Stipendiaten aus aller Welt in Neumünster hinterlassen haben und die Arbeiten der Stadttöpferin Danijela Pivasevic-Tenner (37). „Dank ihres fantasievollen und intensiven Einsatzes hat sich die Stadttöpferei inzwischen einen besonderen Namen in der internationalen Szene gemacht“, lobt Sünne Höhn vom Kulturbüro.

Seit 2009 wirkt die gebürtige Serbin Danijela Pivasevic-Tenner in Neumünster: „Die Stadttöpferei war ein Kleinod im Verborgenen, in der Szene nicht bekannt“, sagt sie. 1987 war das Künstlerhaus von der Dr.-Hans-Hoch-Stiftung ins Leben gerufen worden; erste Stadttöpferin war Karina Brügmann-Gyamfi. Lange war das Konzept so, dass Künstler für zwei Jahre im Fürsthof wohnten und arbeiteten. 2013 wandelte sich das zu „Ceramic Artists in Residence“: Jetzt kommen zehn Künstler pro Jahr für einen Monat; darum bewerben sich immer 150 Leute aus aller Welt mit konkreten Ideen. Die arbeiten dann in einem offenen Atelier und kommen mit den Neumünsteranern ins Gespräch.

Aus einem Fundus von etwa 80 Werken hat Danijela Pivasevic-Tenner die spannendsten Werke für „Made in Neumünster“ ausgewählt. „Das ist nur ein Ausschnitt. Viele Stipendiaten haben eine Arbeit hier gelassen und zehn mitgenommen“, sagt sie. Die Ausstellung führt vom klassischen Keramikgefäß zu Themen-Inseln, auf denen Keramik mit vielem kombiniert wird – Textilien, Pflanzen, Papier. Das soll Botschaften vermitteln: „Die Kunst geht in Dialog mit Farbe, Klang, Licht und allem, was künstlerische Ideen hergeben“, stellt Sünne Höhn fest. Und gerade junge Kunst ist auch politisch, mischt sich in aktuelle Auseinandersetzungen ein, spiegelt aber auch Neumünster als Stadt wider.

So stammt eine Zeitkapsel von Pablo Ponce aus einem der ältesten Häuser der Stadt am Fürsthof; in sie kann man hineinschauen. Lucy Libotte hat Dreck und Schmutz tütchenweise von Bürgern aus Neumünster und Umlandgemeinden erbeten und sie zum Brennen verwendet – mit verschiedenen farblichen Ergebnissen. Serena Zanadi aus Italien formte zwei Textilarbeiter mit Schurwoll-Haufen. Die Figuren von Delia Maxim aus Rumänien wurden von Bürgern bemalt. Aber auch die hängenden Steine von Sharon Lee aus Hongkong, die sich in einem Spiegel am Boden spiegeln, sorgen für interessante Perspektiven. Neben freundlichen Drachen von Iva Kukuric aus Tschechien sorgt die tote Kuh von Jamie Lee Morrow aus den USA für Irritationen.

In der zweiten Ausstellung „Ton-Archiv“ in der Bürgergalerie sind Arbeiten der Stadttöpferin zu sehen wie die schief positionierten Teekannen als Symbol für die nach China ausgelagerte Porzellan-Industrie. Die dekorativen Porzellanteller und -tassen der Künstlerin Anke Müffelmann tragen Sprüche frei nach Fassbinders Film „Angst essen Seele auf“: „Zeit essen Leben auf“, „Geld fressen Gleichheit auf“ – jede Menge Denkanstöße.

Der Kunstflecken startet am Freitag mit der Art-Tour um 19 Uhr in der Papierfabrik. Ein Shuttle-Bus bringt die Teilnehmer um 19.45 Uhr zur Bürgergalerie. Um 21 Uhr startet das Konzert von Tom James in der Werkhalle. Wie immer wird der Kunstflecken vom Holsteinischen Courier präsentiert.


www.30jahre.stadttoepferei.de; www.dada-art.net



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