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Grosser Leerstand : Keiner will die Mietpreisbremse

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Mieter- und Vermieterverband wollen von der Vorgabe nichts wissen. Höhere Mieten sind nicht durchsetzbar

von
erstellt am 29.Apr.2014 | 05:00 Uhr

Neumünster | Gut gemeint, aber für Neumünster nicht relevant: Das ist der Tenor der Reaktionen auf die Idee einer Mietpreisbremse für Neumünster. Innenminister Andreas Breitner (SPD) hatte angeboten, dass sich die kreisfreien Städte an der geplanten Preisbremse beteiligen können (der Courier berichtete).

Doch selbst der Vorsitzende des Mietervereins Mittelholstein, Hauke Petersen, hält eine solche Preisbremse für Neumünster im Moment nicht für erforderlich. „Höhere Mieten sind am Markt gar nicht durchsetzbar“, sagte er. Eine Mietenbremse bringe seiner Meinung nach „Regularien, die die Sache kompliziert machen, aber den Mietern nicht helfen“.

Auch für den Eigentümerverein Haus und Grund besteht kein Anlass für dieses Instrument. „Die Mieten bewegen sich in einem vernünftigen Rahmen, das zeigt der Mietspiegel“, sagte der Haus-und-Grund-Vorsitzende Matthias Schuster. Eine Bremse wäre sogar eher kontraproduktiv, da zuvor die Mieten noch schnell erhöht würden und dann auf längere Zeit eingefroren seien. Schuster: „Für Mieter heißt das erstmal: Preiserhöhung. Für Vermieter bedeutet es eine Investitionsbremse mit entsprechenden Nachteilen für den Wohnungsmarkt.“

Das sieht die Wohnungswirtschaft ähnlich. „Eine Mietpreisbremse ist bei mehr als 2000 leer stehenden Wohnungen und den im Vergleich mit ähnlichen Städten geringsten Mieten absoluter Blödsinn“, sagte der Chef der Baugenossenschaft Holstein, Frank Natusch. „Wir sind die Preisbremse, denn wir halten die Mieten stabil unter dem Mietspiegel“, so Natusch.

Bei der Baugenossenschaft Holstein liegen die Mieten laut Natusch im Durchschnitt bei 4,65 Euro pro Quadratmeter. Zum Vergleich: Die Obergrenze für Mietwohnungen mit Sozialbindung liegt bei 5,10 Euro pro Quadratmeter. Durch eine Bremse werde das Gegenteil des eigentlich Gewollten erreicht, glaubt Frank Natusch: „Alle ziehen auf Verdacht erstmal vor und erhöhen die Mieten.“

In der Stadtverwaltung hat man das Angebot des Innenministers freundlich zur Kenntnis genommen, sagte Thorben Pries, Referent des Oberbürgermeisters: „Auf den ersten Blick scheint eine solche Bremse nicht notwendig, weil wir eher einen Mietermarkt und moderate Preise haben.“ Aber man werde gründlich prüfen, ob Neumünster sich beteiligen solle.

Kommentar:

Das ist nur vernünftig

Das war eine Schnapsidee unserer Bundespolitiker: Wir stellen uns als Beschützer der Mieter vor den gierigen Hauswirten hin, kündigen eine Mietpreisbremse an – und erreichen nur, dass augenblicklich die Mieten erhöht werden, weil die Eigentümer Angst vor sozialistisch gefärbten Eingriffen in ihr Eigentum haben.  Seit Januar sind die Mieten im Bundesschnitt um 3 Prozent geklettert, selbst in Neumünster um 0,9 Prozent. Das war aber vorher klar, weil allein solche Ankündigungen Gift für die Wohnungswirtschaft sind. Umso besser klingt es, was zur Mietpreisbremse  aus Neumünster zu hören ist: kein Interesse. Neumünster ist nicht Hamburg-Eimsbüttel; es gibt hier  keine galoppierenden Mieten. Wer in Neumünster vermietet, muss froh sein, wenn seine Erträge nicht sinken. Das Verhalten aller Beteiligten zeugt von Vernunft.

 

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