zur Navigation springen

Oderstrasse : Keine Information über Sperrung: Firma droht mit Klage

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Nur die unmittelbaren Anlieger wurden per Handzettel über Bauarbeiten und die fünfwöchige Sperrung ab Montag informiert

shz.de von
erstellt am 15.Aug.2015 | 08:30 Uhr

Neumünster | Von Montag an wird die Oderstraße und damit eine Hauptverkehrsader im Industriegebiet Süd für fünf Wochen bis zum 19. September voll gesperrt. Unmittelbare Anlieger erfuhren davon erst vor zwei Tagen per Wurfzettel der Baufirma. Die Stadt, die als Straßenverkehrsbehörde die Sperrung und eine Umleitung anordnet, teilte das erst gestern auf Courier-Nachfrage mit. Die Anlieger sind sehr wütend.

An der Oderstraße/Saalestraße müsse „ein Knotenpunkt im Zusammenhang mit dem Bau des neuen Parkhauses auf dem DOC-Gelände“ umgebaut werden, heißt es in der Mitteilung. Zur „Optimierung des Verkehrsabflusses“ durch steigende Verkehrszahlen werde eine Mittelinsel entfernt und die Straße zur Kreuzung Oderstraße/Saalestraße hin auf drei Fahrspuren ausgeweitet. Die Umleitung erfolge über Saalestraße, Krokamp und Lahnstraße und werde ausgeschildert.

Welcher Abschnitt genau gemeint ist und ob die Kreuzung komplett gesperrt ist oder in Teilen befahrbar bleibt, das konnte die Verkehrsbehörde gestern Nachmittag selbst nicht beantworten. Das sei üblicherweise die Aufgabe der Tiefbauabteilung, hieß es. Aufschluss gab ein Anruf bei der Info-Telefonnummer der Baufirma Strabag. Von der Südumgehung (B 205) kommend kann man weiterhin geradeaus in die Saalestraße fahren und auch nach links zum DOC abbiegen. Nur nach rechts geht es nicht. Dort wird die Oderstraße auf etwa 100 Metern voll gesperrt und dadurch von Osten her, also von der Boostedter Straße/Allerstraße aus, zur Sackgasse.

Die Mittelinsel wird abgerissen und stattdessen eine neue Linksabbiegerspur zur Südumgehung gebaut. „Die Deckschicht wird erneuert, die Bordsteine neu gesetzt. Dafür ist hier eine Vollsperrung nötig, da wir direkt auf der Straße arbeiten“, erklärte Bauleiter Albrecht Thomschke von der Strabag. Am 11. August habe es eine Baubesprechung mit der Stadt und den Stadtwerken gegeben. Die SWN leiten die Busse um (der Courier berichtete). Die Bauzeit von fünf Wochen nannte Thomschke „sportlich, aber machbar. Die Bordsteine werden einbetoniert, und es dauert, bis der Beton ausgehärtet ist.“

Viele Firmen fielen über die kurzfristige Mitteilung aus allen Wolken. Am schwersten getroffen ist die Firma Friedrich Kraft, die an der Oderstraße 40 mit Autoteilen und Industriebedarf handelt. Das Unternehmen mit Stammsitz in Rendsburg wird durch die Bauarbeiten quasi von seinem eigenen Gelände abgeschnitten. Die Firma wandte sich an den Unternehmensverband. Dort kann sich Geschäftsführerin Dr. Martina Tambert-Thomas nur wundern. „Dass eine Firma erst im letzten Moment am Donnerstag informiert wird, dass ihr gesamtes Betriebsgelände ab Montag für mehrere Wochen blockiert wird, ist völlig unverständlich“, sagt sie und hofft, dass am kommenden Montag bei einem Ortstermin eine Interimslösung gefunden wird.

Der ebenfalls betroffene Autoservice Liedtke an der Oderstraße 48 informierte seine Kunden über das soziale Netzwerk Facebook über die Sperrung und riet, über die Boostedter Straße zu fahren: „Wir haben alles versucht, eine alternative Lösung für Euch zu finden. Leider bisher ohne Erfolg.“ Auch das DOC selbst informierte die Firmen und Mitarbeiter im Outlet-Center erst am Donnerstag über die Sperrung und zeigte dabei auch die Wege zum Mitarbeiterparkplatz auf.

Logistikunternehmer Henning Voigt kann sein Logistikzentrum an der Oderstraße weiter erreichen, ist aber sauer, nicht informiert worden zu sein. „So eine Hauptverkehrskreuzung im Industriegebiet zu sperren, ohne die Firmen zu informieren, das ist ein Unding“, sagte Voigt zum Courier.

Schweres Geschütz fährt Helmut Kraft auf, Chef der Kraft-Gruppe mit 450 Beschäftigten. 20 sind es in Neumünster. „Ich habe einen Anwalt eingeschaltet. Wir werden nicht einen Tag diese Aussperrung akzeptieren. Das ist ein massiver Eingriff in unser Eigentum“, sagte er. Egal, wer verantwortlich sei – „die Stadt muss unsere Zuwegung möglich machen“, so Kraft. Es gibt bis zu 150 Anlieferungen am Tag, dazu noch Kundenverkehr. „Vier Wochen Sperre, dann kann ich den Betrieb abmelden, denn die Kunden laufen uns davon“. sagt Kraft. Besonders empört ihn, dass seinem Niederlassungsleiter von der Stadtverwaltung beschieden wurde, er müsse die Einschränkungen hinnehmen, da der DOC-Bau von höherem Interesse sei. „Das ist ja wohl borniert, unfassbar“, sagt Kraft.

Kommentar von Thorsten Geil:

Reinhard Ruge fiel gestern fast das Frühstücksbrot aus der Hand, als er den Courier aufschlug. In der jüngsten Ratsversammlung hatte der FDP-Fraktionsvorsitzende einen Beschluss erwirkt, wonach das Baustellenmanagement in Neumünster endlich spürbar verbessert werden solle. „Das hat sich wohl nicht bis in die Verwaltung herumgesprochen, denn es scheint ja schon wieder einen völlig unkoordinierten Fall zu geben“, schimpfte Ruge gestern.

„Völlig unkoordiniert“ – das ist noch maßlos untertrieben. Einmal mehr hat niemand daran gedacht, die Öffentlichkeit zu informieren, wenn eine Straße gesperrt wird – nicht die Stadt, nicht die Baufirma, nicht das DOC, für dessen neues Parkhaus die Oderstraße vier Wochen lang gesperrt wird. Nur die Stadtwerke haben ihre Buspassagiere vorgewarnt, weil die Linie 7 nicht mehr um die Kurven kommt.

Die direkt betroffenen Anlieger sind nun ab Montag vier Wochen nur per Hubschrauber erreichbar und wurden darüber am Donnerstag per Handzettel informiert. Alle anderen Unternehmen im Industriegebiet, ihre Mitarbeiter, ihre Kunden hätten es am Montag erfahren, wenn sie vor der Absperrung gestanden hätten. Aber was mag nur so schwer daran sein, die Öffentlichkeit zeitnah zu informieren? Gedankenlosigkeit allein kann es im Rathaus mittlerweile nicht mehr sein. Hier geht es um Ignoranz und Respektlosigkeit.

 

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen