Sägen für Anfänger : Keine Angst vor scharfen Zähnen

 Andrea Loose weiß, wie man mit der Motorsäge umgeht.
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Andrea Loose weiß, wie man mit der Motorsäge umgeht.

Frauen legen beim Umgang mit der Kettensäge mehr Wert auf Sicherheit als Männer.

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06. Februar 2018, 09:30 Uhr

Neumünster | Andrea Loose zieht kräftig an der Schnur, einmal, zweimal, dreimal – der Motor knattert kurz auf, dann tut sich nichts mehr. Dabei hat sie alles richtig gemacht. Die Motorsäge liegt auf dem Boden, mit dem Fuß sichert sie das Gerät. Thorben Trojahn versucht es ebenfalls und stellt dann fest: „Die Kette ist nicht richtig aufgelegt, die Säge klemmt.“ Zum ersten Mal gab der Experte am Wochenende im Baumarkt Wigger an der Boostedter Straße einen Kursus, in dem Frauen den richtigen Umgang mit Motorsägen lernten.

Fünf Frauen hatten sich angemeldet, drei erschienen. „Ich helfe zu Hause schon mal mit, wenn wir Brennholz machen. Aber ich möchte einen sicheren Umgang damit haben“, erklärt Johanna Trede. „Frauen haben einen ganz anderen Zugang, für sie steht die Sicherheit an erster Stelle. Und daher wollen Frauen auch viel über die technischen Hintergründe wissen. Männer legen oft gerne einfach mal los“, weiß der erfahrene Schulungsleiter Thorben Trojahn.

„Und die Männer starten Motorsägen auch gerne mal nach der John-Wayne-Methode: Einfach vor die Brust halten und anschmeißen. Nur leider kann es dann passieren, dass das Gerät nach vorne fällt und man nur noch das Seil in den Händen hält“, schildert der Baumschulgärtnermeister.

Ein anderer beliebter Fehler ist das Sägen über Kopfhöhe, etwa beim Abschneiden der Äste. „Die Motorsäge gehört auf Hüfthöhe, selbst ein Bodybuilder hat die Säge über dem Kopf nicht mehr unter Kontrolle“, weiß der Experte. Schnittverletzungen kommen besonders häufig an den Füßen vor. Deswegen: „Sicherheitskleidung ist Pflicht“, sagt Thorben Trojahn. „Die Säge nimmt im Holz in Kürze einen Zentimeter weg – was glauben Sie, wie schnell Fleisch und ein Knochen weg sind?“, fragt er seine aufmerksamen Zuhörerinnen.

Für Andrea Loose sind die möglichen Gefahren kein Problem: „Dass etwas passieren kann, ist ja klar. Aber ich habe Spaß am Sägen und glaube, entscheidend ist der ruhige, bewusste Umgang mit dem Gerät.“ Seit zehn Jahren fährt sie zusammen mit ihrem Mann in den Wald, um Brennholz zu machen. „Bisher musste ich immer schleppen, das wurde mir zu doof. Wenn ich den Schein habe, darf ich endlich selber sägen. Es riecht ja auch immer so schön, wenn Holz frisch geschnitten ist. Außerdem arbeite ich in einer Sparkasse und nutze die Arbeit im Wald als Ausgleich“, erklärt die Wankendorferin.

Thorben Trojahn sieht einen Trend bei der Frau an der Kettensäge: „Frauen sind auf diesem Gebiet stark auf dem Vormarsch. Die Arbeit mit der Kettensäge ist keine reine Männerdomäne mehr. Und: Sie verletzen sich auch deutlich seltener.“

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