Rickling : Kein Schatz: Kita kann gebaut werden

So sah die archäologische Voruntersuchung beim Kindergarten aus. Baggerführer Stephan Isenberg schließt den Suchschnitt wieder.
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So sah die archäologische Voruntersuchung beim Kindergarten aus. Baggerführer Stephan Isenberg schließt den Suchschnitt wieder.

Das Archäologische Landesamt hat keine Tongefäße oder Schmuckstücke gefunden.

shz.de von
02. Juni 2018, 10:00 Uhr

Rickling | Auch wenn es für die Kinder sicherlich aufregend gewesen wäre, wenn man auf dem Gelände ihres Kindergartens einen „Schatz“ geborgen hätte: Auf dem Areal hinter dem Haus am Eichbalken in Rickling gibt es keine mittelalterlichen oder altertümlichen Relikte. Das ergab jetzt eine archäologische Voruntersuchung, die vorgenommen wurde, um grünes Licht für den Bau des neuen Kita-Gebäudes zu geben.

Kein Goldschmuck, keine Speerspitzen und auch keine alten Tonscheiben kamen zum Vorschein, als Steffen Haucke vom Archäologischen Landesamt in Schleswig gegraben hat. „Man hätte auf 2000 Jahre alte Tongefäße stoßen können, die als Urnen genutzt wurden. Denn im heidnischen Mittelalter hat man gerne um Hügelgräber herum bestattet“, erklärte der Experte. Die beiden Hügelgräber liegen ein kleines Stück entfernt im angrenzenden Wäldchen auf dem Krähenberg und sind etwa 3000 Jahre alt. Der Denkmalschutz sieht vor, dass in einem Schutzstreifen von 50 Metern rund um die Grabhügel nur dann gebaut werden darf, wenn zuvor ein negativer archäologischer Befund erhoben wurde.

Mit einem Minibagger zogen Steffen Haucke und sein Kollege Stephan Isenberg von einer Tiefbaufirma zwei 17 und neun Meter lange Gräben und untersuchten die Erde in 40 Zentimetern Tiefe. „Das reichte aus, dort haben wir nichts Schützenswertes gefunden, der Bau kann los gehen“, so der Archäologe.

Die Nachricht erfreute ganz besonders die Kita-Leiterin Susanne Franzen. Sie hat während der ungewissen Zeit vor der Grabung mitgefiebert und meinte schließlich: „Es ist eine absolute Erleichterung! Ich freue mich, dass ich Eltern nun endlich Plätze anbieten kann.“

Erleichterung gab es auch bei Martin Rühe, Pastor und Bauausschussvorsitzender in Rickling: „Es freut mich, denn alles andere hätte Verzögerung und Kosten gebracht. Nun können wir loslegen.“ Wenn das archäologische Landesamt eine schriftliche Genehmigung ausgestellt hat, können der Bauantrag gestellt und die Bäume gefällt werden. Die Genehmigung für die Fällung der alten Bäume liegt vor, das kann jedoch aus Naturschutzgründen erst im Oktober passieren.

Obwohl kein Schild darauf hinweist und sie begangen werden dürfen, sind die beiden Hügel neben der Kita beim Spielplatz etwas Besonderes und stehen unter Denkmalschutz, wie Martin Rühe eher per Zufall erfahren hat: „Ich habe darüber gerüchteweise von den Älteren aus dem Dorf gehört und mir daraufhin eine Bestätigung von der Denkmalbehörde geben lassen.“ Archäologe Steffen Haucke erklärte: „Das waren Familienbegräbnis- und Gedächtnisstätten. Da wurden die Toten nacheinander aufgetürmt. Dort können zwischen zwei bis 20 Tote liegen. Früher wusste jeder in einem Dorf darüber Bescheid, das ist heute fast vollkommen in Vergessenheit geraten.“

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