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Neumünster : Kein Platz – Asylsuchende müssen im Zelt schlafen

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Asylbewerber in Schleswig-Holstein schlafen im Feldbett im Zelt: Die Erstaufnahmeeinrichtung in Neumünster ist völlig überfüllt, weil die Asylbewerberzahlen dramatisch gestiegen sind.

shz.de von
erstellt am 05.Sep.2014 | 17:01 Uhr

Neumünster | Die Flüchtlingsströme aus den Krisengebieten der Welt machen sich nun auch in Neumünster bemerkbar:  Die zentrale Erstaufnahme-Einrichtung für Schleswig-Holstein in der ehemaligen Scholtz-Kaserne am Haart ist komplett belegt. 460 Flüchtlinge halten sich derzeit in der auf 400 Personen ausgerichteten Unterkunft auf.  Alleine am vergangenen Wochenende kamen 85, am Wochenende davor sogar rund 90 Personen.

Im gesamten August standen 730 Flüchtlinge vor der Pforte, doppelt so viele wie noch vor einem Jahr. Und die Tendenz ist weiter steigend. Um die Aufnahme unverändert zu gewährleisten, hat das Landesamt nun ein Zelt mit Feldbetten auf dem Sportplatz aufgebaut. Es bietet Platz für 54 weitere Personen.

„Gedacht ist es ausschließlich für Männer“, sagt Ulf Döhring, Leiter der Einrichtung.  Er sieht die Lage nach wie vor entspannt: „Im Vergleich zu anderen Bundesländern sind wir gut aufgestellt. In Berlin musste die Erstaufnahme-Einrichtung geschlossen werden. Da sieht es ganz anders aus.“ Die Verteilung der Flüchtlinge an die Kreise immer dienstags und donnerstags laufe derzeit im beschleunigten Verfahren. So werde auch zügiger wieder Platz geschaffen. Neumünster selbst nimmt keine weiteren Flüchtlinge auf.

Der Flüchtlingsbeauftragte des Landes, Stefan Schmidt lehnt diese Form der Unterbringung entschieden ab. „Ich habe kein Verständnis dafür, dass die Landesregierung nicht in der Lage war, frühzeitig Kapazitäten zu schaffen, um eine Unterbringung von Schutzsuchenden in Zelten zu vermeiden“, sagte Schmidt.

Der Sprecher des Innenministeriums erklärte, das auf dem Sportplatz der Erstaufnahmeeinrichtung errichtete Zelt biete 45 bis 50 Menschen Platz. In der Regel würden Asylbewerber nur eine Nacht oder ein Wochenende in dem beheizten Zelt verbringen, bis die Verteilung auf einen Kreis geregelt sei. Der Geschäftsführer des Flüchtlingsrates, Marin Link, sagte, er könne sich nicht daran erinnern, dass schon einmal Asylbewerber im Norden in Zelten untergebracht worden seien.

Als Alternative bemüht sich das Ministerium, ehemalige Kasernen als Unterkunft zur Verfügung zu stellen. Innen-Staatssekretär Bernd Küpperbusch habe bereits mit dem Bürgermeister von Boostedt (Kreis Segeberg) über eine entsprechende Verwendung der Rantzau Kaserne gesprochen, sagte der Ministeriumssprecher.

Nach Informationen des Flüchtlingsrates soll die vom Innenministerium angekündigte Erweiterung der Erstaufnahmeeinrichtung durch Container nicht vor 2017 umgesetzt werden. Die kleine Gemeinde Boostedt sei als Standort einer großen Erstaufnahme ungeeignet. Gleiches gelte für Lütjenburg, das ebenfalls im Gespräch sei.

Für die Erstaufnahme von Asylsuchenden und die folgende dezentrale Unterbringung ist aus Sicht des Flüchtlingsrates, des Landesflüchtlingsbeauftragten und der Wohlfahrtsverbände ein urbaner Standort notwendig. Er müsse etwa eine Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr haben, Schulen, Sprachförderangebote, bedarfsgerechte medizinische Versorgungsangebote, Beratungsangebote von Migrationsfachdiensten sowie eine behördenunabhängige Asylverfahrensberatung. „Solche Standards sind auf dem “platten Land„ nicht vorhanden“, betonte der Flüchtlingsrat.

Von Januar bis Ende Juli sind 3154 Asylbewerber neu nach Schleswig-Holstein gekommen und damit etwa 68 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. 27 Prozent der Flüchtlinge kamen aus Syrien. Es folgten Afghanistan mit 14 und Serbien mit 9 Prozent. Die Ukraine und der Irak spielten bei den Neuaufnahmen keine besondere Rolle, hieß es. In Deutschland insgesamt beantragten von Januar bis Juli 97.093 Menschen Asyl, 62 Prozent mehr als in den ersten sieben Monaten 2013.

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