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Gerichtsbericht : Kein Pardon für den Dieb mit Waffe

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Weil er beim Hosenstehlen bei C & A ein Messer dabei hatte, verurteilte das Gericht einen jungen Flüchtling zu sechs Monaten Gefängnis

von
erstellt am 05.Feb.2016 | 09:45 Uhr

Neumünster | Vielleicht war es eiskalte Berechnung, vielleicht auch nur pure Naivität. Das Gericht neigte offenbar zu letzterem, ließ die Frage aber offen, für seine Entscheidung spielte es letztlich auch keine Rolle: Weil er bei einem vergleichsweise harmlosen Hosenklau in der Innenstadt mit einer gefährlichen Waffe in der Tasche erwischt wurde, verdonnerte das Amtsgericht jetzt einen 23-jährigen Kosovaren zu sechs Monaten Gefängnis. Weil der junge Flüchtling bislang strafrechtlich nicht in Erscheinung getreten ist, wurde die Strafe allerdings auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt.

Den versuchten Diebstahl der Hose soll der weitgehend mittellose Mann, der erst seit Januar vergangenen Jahres in Deutschland lebt, mit 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit sühnen.

Der Asylbewerber, damals noch in der zentralen Aufnahmestelle am Haart untergebracht, hatte im Februar vergangenen Jahres die C & A-Filiale am Großflecken aufgesucht. Dort nahm er eine Jeans für 39 Euro vom Bügel und zog die neue Hose in einer Umkleide unter seine eigene Hose. Weil er die Kabine scheinbar ohne das neue Kleidungsstück wieder verließ, schöpfte eine Verkäuferin Verdacht und stellte den Mann, als der das Geschäft verlassen wollte.

Sein Pech: Bei einer Durchsuchung stellte die Polizei ein sogenanntes Einhandmesser sicher. Solche mit einer Hand leicht zu öffnenden Stichwaffen sind in Deutschland verboten.

Die gefährliche Waffe wollte der Angeklagte kurz zuvor auf der Straße gefunden haben. Zu keinem Zeitpunkt sei ihm in den Sinn gekommen, es gegen irgend jemanden einzusetzen, verteidigte sich der junge Kosovare.

Die Richterin ging auf den den angeblichen Fund nicht ein, erklärte dem Angeklagten aber, warum jeder Diebstahl härter bestraft wird, wenn der Dieb dabei ein Waffe mitführt: „Es könnte sein, dass Sie in Panik – etwa wenn Sie erwischt oder verfolgt werden – eben doch zur Waffe greifen und dann Schlimmeres anrichten.“

Auch der Versuch des Angeklagten, den Diebstahl der Hose als einen Notfall darzustellen, kam bei Gericht nicht gut an. Der junge Mann hatte argumentiert, er habe damals unter einem starken Hautausschlag gelitten. Der Arzt habe ihm zum Wechseln seiner Sachen geraten. In der zentralen Unterkunft habe man ihm aber nicht weiterhelfen können. „Glaub ich nicht“, reagierte die Richterin trocken: „In der Unterkunft gibt es eine gut bestückte Kleiderkammer, da hab’ ich selbst schon was hingebracht.“

Um die Auflagen des Gerichts zu erfüllen, muss der Kosovare jetzt jeden Wohnungswechsel bei Gericht melden. Seine neue Freundin sorgte dafür, dass er nicht gleich schon beim Verlassen des Gerichtssaals dagegen verstieß. „Er wohnt jetzt bei mir in Malente“, sagte die junge Frau, die den Prozess von der Zuschauerbank aus mit bangen Blicken verfolgt hatte, gab brav ihre Adresse an und rüffelte ihren neuen Lebensgefährten wegen seiner Unaufmerksamkeit.

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